Geistliche Impulse - Homepage der Pfarrei St. Peter in Straubing

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Geistliche Impulse Hr. Kaplan Nowotny

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03. April - Karsamstag

Seit Ostern ist alles anders. „Voll Furcht und großer Freude“ waren die Zeuginnen des leeren Grabes der festen Überzeugung, dass nichts länger so bleiben muss wie es ist. Die Kultur des Todes hat zukünftig nie mehr das letzte Wort. Das Nichts des leeren Grabes hat alles Bisherige unterbrochen. Die Leere schafft Platz für Neues. Sie ist Ausgangspunkt für Zukünftiges.

Mit Ostern ist der Menschheit der Schrecken des Karfreitags nicht ohne weiteres genommen. Leid und Tod sind und bleiben Realitäten unseres Lebens.
Ostern hinterfragt unsere Haltung zur ganzen Brandbreite menschlichen Lebens und christlichen Glaubens. Kreuzestod und Auferstehung Jesu wollen Gott neuen Raum geben. Gott soll fortan alles erfüllen, was von seiner Gegenwart und seinem Wirken unberührt blieb. Genau das war die Strategie des Gottessohnes. Durch sein Sterben und Auferstehen wurde Gott bis in den letzten Winkel menschlichen Leids und Elends getragen. Der Tod ist nicht mehr Endstation, sondern Durchgang.

Als österliche Menschen müssen wir um unser Ziel wissen. Wir dürfen uns nicht vom Dunkel des Lebens blockieren, gefangen nehmen oder irritieren lassen. Wenn wir die Erfahrung von Ostern verinnerlicht haben, ist der richtige Weg in unserem Leben eingeschlagen. Ostern mahnt uns, Gott zukünftig nicht aus den Augen zu verlieren, um uns nach dem Neuen der Auferstehung auszustrecken.

Unser Leben aus dem Glauben wird durch Ostern nicht einfacher! „Furcht“ und „Freude“ bleiben. Dazwischen spielt sich der christliche Alltag ab. Hier kann die Freude sich über das entfalten, was wir im Glauben alles schon erreicht haben. Sie ist die „Furcht“ vor dem, was Gott alles von uns noch erwarten kann.
Paulus bringt es auf den Punkt: „Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden“ (Röm 6,9).
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02. April - Karfreitag

Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: „Es ist vollbracht!“ Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.
 
Mit diesen Worten fasst das Johannesevangelium das Leiden Christi zusammen.
 
Wenn wir so wie der Evangelist Johannes tiefer sehen, dann schauen wir im Glauben, was Golgotha bedeutet – und wir werden begreifen: Kein Mensch und keine Umstände werden uns jemals mehr Angst machen können. Es wird einen Raum der Sensibilität geben, wo nichts mit Drohungen, Gewalt oder Tod entschieden wird, aber mit der Kraft des Zuhörens, des Verstehens und der langsam reifenden Güte. Hier ist ein Blick auf die Not und die Angst bei denen, die sich für die Mächtigen und Starken halten – und die doch am meisten ausgeliefert sind: sich selbst und den Umständen.
 
Die Allmacht der Umstände wird es aber nicht mehr geben. Das Verschachern von Menschen nach einer übergeordneten Logik wird zu Ende sein, wenn man erst einmal begriffen hat, wie wunderbar jeder Mensch in sich selbst ist.
 
Dem Menschen zu dienen ist wichtiger, als ihn für höher eingestufte Zwecke zu erniedrigen und klein zu machen. Die Liebe lehrt uns, den Menschen annehmen zu lernen. Wenn ich Zeuge des Todes Jesu werde, kann ich Stück für Stück seine unzerstörbare Herrlichkeit begreifen.
 
Wir brauchen uns vor nichts mehr zu fürchten oder Angst zu haben. Auch Unheil oder Krankheiten können uns dann nichts mehr anhaben. Wenn ich entdecke, welche Macht die Liebe hat, welche Fantasie in unseren Herzen liegt und welche Großmut in unseren Köpfen steckt.
 
Herrscher wie Pilatus oder Kajaphas sind korrupt. Typen wie Petrus und Judas sind unzuverlässig und falsch. Aber diese Typen widerlegen nicht, dass es im Leben liebende Verbundenheit gibt, Freundschaft, Treue und Geschwisterlichkeit!
 
Das ist das Reich Gottes! Der Glaube ist stärker und das Kreuz ist der Beginn des wahren Lebens, eines das den Namen verdient und beginnen kann – heute Nachmittag oder nie!
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01. April - Gründonnerstag

Wenn wir die Abendmahlserzählung nach Johannes in den Blick nehmen, fällt auf, dass darin weniger die Einsetzung der Eucharistie im Mittelpunkt steht, sondern die Fußwaschung. In dieser Zeichenhandlung hat Jesus seinen Jüngern zum letzten Mal gezeigt, was es heißt, Diener aller zu sein. Und er gibt ihnen damit ein Beispiel, „damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe (Joh 13,15).“
 
Einmal mehr wird hier deutlich, dass man umdenken muss, wenn man den christlichen Gott begreifen will. „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen“ (Mk 10,45), sagt Jesus an einer anderen Stelle zu seinen Jüngern. Daran hat sich die Kirche auch heute zu messen.
 
Aber noch etwas anderes wird in der Fußwaschung und der damit verbundenen Erniedrigung Jesu deutlich: Gott liebt immer das Kleine und Unscheinbare. Das zeigt sich in den verschiedenen Zeichenhandlungen am heutigen Abend: Im Waschen der Füße offenbart sich der allmächtige Gott. In einem kleinen Stück Brot ist Gott selbst gegenwärtig. Im Tod am Kreuz, im Leiden eines unschuldigen Menschen, besiegt Gott Sünde und Tod.
 
So ist die Fußwaschung so etwas wie das Echtheitskriterium christlichen Handelns. Ihr Darstellung in unseren Kirchen könnte auch bei uns in Erinnerung rufen, dass schöne Worte nicht ausreichen, um heute das Evangelium glaubwürdig zu verkünden.
 
„Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts“ (Jacques Galliot).
 
Der Abend von Gründonnerstag führt uns diesen Satz vor Augen und wird so zum Auftrag für uns heute, die Kirche an die Ränder der Gesellschaft zu führen, und wenn es sein muß, ganz nach unten – dorthin, wo Jesus an diesem Abend bei seinen Jüngern war.
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27. März – Palmsonntag

Die Prozession an Palmsonntag wird oft als „Siegeszug“ bezeichnet. Der Siegeszug Jesu war in Wirklichkeit ein provokativer Akt, der die Ereignisse des Karfreitags auslösen sollte.
Warum war der Einzug in Jerusalem provokativ?
Dabei dürfte ein kleiner Esel eine große Rolle gespielt haben. Nach Ansicht einiger Gelehrter zogen Könige einst auf diese Weise in Jerusalem ein, um ihre Regierungszeit zu beginnen. Der bescheidene Esel signalisiert die Demut und den guten Willen des Königs gegenüber dem Volk, das er regieren sollte. Jesus setzte bewusst den Schlussakt seines Auftretens in Jerusalem, indem er die Behörden bis zum Äußersten provozierte.
Demut kann im biblischen Sinn bedeuten, die Autoritäten herauszufordern, bewusst für eigene Prinzipien einzustehen und für andere Verantwortung zu übernehmen. Das kann ebenfalls bedeuten, sich couragiert in die erste Reihe zu stellen, wenn es für den Dienst erforderlich ist, zu dem Gott uns gerufen hat.
Viele Menschen ziehen es jedoch vor, im Schutz der Masse abzutauchen, um ja nicht aufzufallen.
Wenn wir aber wirklich demütig sind, unterwerfen wir uns dem Willen Gottes, so wie Jesus es getan hat. Er entäußerte sich kurz vor seinem Tod am Kreuz im Garten von Gethsemane. Dort nahm er den bitteren Kelch des Leidens an.
Jesus hat ich weder selbst erhöht, noch hat er sich geweigert, erhöht zu werden. Er hat sich völlig dem Willen seines Vaters ergeben.

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21. März – 5. Fastensonntag

Im heutigen Evangelium möchten einige Griechen Jesus sehen. Die Apostel überbrachten Jesus den Wunsch. Dieser spricht den rätselhaft wirkenden Satz: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.“ (Joh 12,23) Es ist nicht ein einfaches Sehen, von dem Jesus hier spricht. Es ist das Aufleuchten seiner Herrlichkeit, in welcher er allen Menschen sichtbar werden wird. Jesus meint damit seinen bevorstehenden Tod am Kreuz. Er ist das Zentrum seines Weges. In ihm erfüllt sich seine Sendung für uns Menschen. Seine Hingabe für uns alle macht diesen Tod für jeden so wertvoll.

Das Handeln von Jesus stellt aber auch Fragen an uns. In welchen Handlungen leuchte ich für andere Menschen auf? Was ist mir wichtig? Wie sollen andere Menschen mich wahrnehmen?

Es passiert oft genug in unserem Leben, dass wir schnell in bestimmte Schubladen eingeordnet werden oder wir dasselbe mit anderen Menschen tun. Das Beispiel von Jesus zeigt uns, dass es sich lohnt, tiefer zu schauen. Es geht nicht nur um das Äußere. In vielen Menschen liegen verborgene Schätze, die zu heben sich lohnen. Helfen wir mit, dass ihre Herrlichkeit auch so hell leuchten darf, wie die von Jesus.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten 5. Fastensonntag.
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14. März – 4. Fastensonntag

„Aber die Menschen liebten die Dunkelheit mehr als das Licht.“ (Joh 3,19) Die Aussage aus dem Evangelium nach Johannes ist deprimierend. Obwohl Jesus als das Licht in die Welt gekommen ist, ignorieren es die Menschen. Sie fühlen sich in der Dunkelheit scheinbar wohler.
 
Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, kann ich schnell erkennen, dass es mir ebenso geht. Was schlecht ist, geht einfacher, für das Gute muss ich mich anstrengen und selbst überwinden lernen. Oft bin ich in meinem Leben dafür aber nicht bereit. Es ist einfach bequemer, in der Dunkelheit zu bleiben.
 
Die Fastenzeit lädt uns dazu ein, darüber immer wieder neu nachzudenken. Lohnt es sich für mich wirklich, das Gute in meinem Leben aus Bequemlichkeit einfach abzulehnen? Sind es nicht gerade die anspruchsvollen Aufgaben in unserem Leben, die uns wachsen und reifen lassen?
 
Es wird nichts bringen, sich zu viele gute Vorsätze vorzunehmen, die umgesetzt werden sollen. Ich lade Sie aber ein, sich einen auszusuchen. An diesem sollten Sie dann aber auch konsequent dranbleiben. Sie werden schnell merken, dass sich die Anstrengung trotz allem lohnt. Veränderungen im Leben bedeuten auch immer einen Zuwachs an Lebensqualität. Neue Einsichten, neue Perspektiven verändern das eigene Leben und haben neue Chancen in sich.
 
„Aber wer das Richtige tut, tritt ins Licht.“ (Joh 3,21) Ich lade Sie alle ein, ins Licht zu kommen; dort, wo unser Herr Jesus Christus schon auf jeden von uns wartet.
 
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten vierten Fastensonntag.
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07. März – 3. Fastensonntag

Liebe Schwestern und Brüder,
 
wir begegnen im Evangelium nach Johannes heute einem Jesus, der für uns ungewohnt ist. Er machte sich aus Stricken eine Peitsche und jagte die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, aus dem Tempel hinaus. Das Geld der Geldwechsler fegte er zu Boden. Den Taubenhändlern befahl er, ihre Tiere wegzuschaffen.
 
Dieser Jesus passt nicht in das Bild, welches wir von ihm sonst kennen. Friedlich, liebevoll und voller Empathie für die Menschen in seiner Umgebung erscheint er in seinem Auftreten. Und nun ein solcher Bruch in seinem Verhalten? Woher kommt dieser Ausbruch an Gewalt bei Jesus? Wie ist er sich zu erklären?
 
Das Verhalten von Jesus enthält eine klare Botschaft: Der Tempel soll nicht durch Geschäfte irgendwelcher Art entheiligt werden. Er sagt es auch ganz deutlich zu den Taubenhändlern: „Hört auf, das Haus meines Vaters zu einer Markthalle zu machen!“ (Joh 2, 16)
 
Im Tempel wohnte nach jüdischer Vorstellung Jahwe, der Gott Israels. Für Jesus war es deshalb auch das Haus seines Vaters. Es wird nun klar, warum dieser Ort für ihn so heilig war. Hier war Gott, der himmlische Vater, zu dem Jesus immer betete, direkt anwesend. Diese Beziehung war die Grundlage seines ganzen Lebens. Aus ihr schöpfte Jesus die Kraft, um seine Botschaft vom Anbruch des Reiches Gottes unter den Menschen zu verkünden und später in Jerusalem den Gang ans Kreuz durchzustehen.
 
Das Heilige darf nicht vom Geschäft mit Geld verunreinigt werden. Es steht für sich selbst. Gott als das Heilige in unserer Welt ist die zentrale Verbindung in unserem Leben. Jesus hat es uns allen vorgelebt. Aus ihr beziehen wir in schwierigen Zeiten Halt und Orientierung. Sie rettet uns in der Stunde unseres Todes.
 
Es wird nun verständlich, warum Jesus mit solcher Härte gegen die Händler und Geschäftemacher im Tempel vorging. Das Heilige darf nicht zu einem Geschacher um Geld verkommen. Das Heilige muss bei Gott bleiben. Denn er ist unsere Rettung und Erlösung.

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28. Februar – 2. Fastensonntag
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
können Sie sich an Situationen in Ihrem Leben erinnern, die Ihnen als eine absolute Überforderung rückblickend erschienen? Ich kann mich an einige solche Begebenheiten gut erinnern: Krankheiten, schlechte Prüfungen oder Lebenshoffnungen, die sich zerschlugen.
 
Worauf soll ich in diesem Augenblick noch hoffen dürfen?
 
Davon handelt die abgründige Geschichte aus dem 22. Kapitel des Buches Genesis. Sie erzählt von der Aufforderung Gottes an Abraham, seinen geliebten Sohn Isaak zu töten und ihn als Opfer an Gott zurückzugeben.
 
In unseren Ohren von heute klingt das einfach barbarisch und brutal. Das Alte Testament ist in seinen Texten aber oft viel tiefgründiger. Sie möchten uns etwas anderes erzählen, was sich hinter dieser grauenvollen Oberfläche der Geschichte scheinbar verbirgt.
 
Abraham befindet sich an einem ausweglos erscheinenden Punkt in seinem Leben. Er sah sich immer als ein Mensch an, der fest an Gott glaubte und in seinem Leben vertraute. Deshalb konnte er sich auch auf den langen und gefahrvollen Weg in das gelobte Land machen.
 
Nun verlangt aber Gott von ihm dieses unmöglich scheinende Opfer, seinen geliebten Sohn an ihn zurückzugeben. Was soll er tun? Weigert er sich, dem Willen Gottes zu folgen, steht er als ein Ungläubiger da, der sich ihm widersetzt. Folgt er dem Gebot Gottes, muss er seinen Sohn Isaak töten – ein echtes Dilemma.
 
Das drastische Bild aus dem Buch Genesis erinnert uns daran, dass wir in den unmöglich scheinenden Situationen unseres Lebens, in denen es keinen rettenden Ausweg mehr zu geben scheint, auch auf Gottes rettendes Eingreifen vertrauen dürfen. Gerade dann steht Gott uns bei. Abraham erhebt das Messer, um die Opferung zu vollziehen, als er in dem Gestrüpp neben dem Altar den Widder entdeckt, den er an Stelle Isaaks Gott als Opfer darbringen kann, um seine gläubige Hingabe an Gott zu beweisen.
 
Die Bilder des Alten Testaments wirken oft archaisch. Sie entstammen einer anderen kulturellen Tradition. Im Kern sind sie unserem Leben mit seinen vielen Anfechtungen und Kümmernissen sehr nahe. Auch die Menschen der damaligen Zeit hatten die gleichen Probleme wie wir. Uns vereint mit Abraham und ihnen, dass uns Gott rettend zur Seite steht.

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21. Februar - 1. Fastensonntag

„Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste.“ Was für ein Beginn für den 1. Fastensonntag. Wir werden als Zuhörer ohne Umwege und lange Vorrede gleich in diese Zeit hineingenommen: Fastenzeit – Wüste. Wenn wir an die Wüste denken, stehen uns jede Menge an Gestein und Sand vor Augen. Sie ist eine Gegend, in der Menschen nicht leben können. Es gibt so gut wie kein Wasser und kaum etwas zu essen. Und doch trieb ihn der Geist in diese unwirtliche Gegend. Welcher Geist mag das wohl gewesen sein? Könnte der Geist Gottes so kompromisslos an Jesus handeln und ihn bewusst den Strapazen und Anstrengungen dieser Todeszone aussetzen? Wenn dem so ist, warum dann die Wüste? Die Wüste ist ein Ort der Stille. Kein Ton, kein Laut ist dort zu hören, außer dem Wehen des Windes, der über den Sandboden die Körner treibt. Hier wird Jesus 40 Tage lang lang sein. 40 Tage – das erinnert an die 40 Jahre der Wüstenzeit des Volkes Israel. Die Zahl 40 finden wir in der Bibel ganz oft, wenn es um entscheidende Zeiten geht.
 
Jesus kann hier zur Ruhe kommen. Er ist ganz bei sich, nur er und sein himmlischer Vater, zu dem er sich im Gebet wendet. Es ist eine Zeit der inneren Reinigung, die ihm hilft, sich auf sein eigentliches Ziel wieder zu konzentrieren. In der Konzeption des Evangelisten Markus ist es der Gang nach Jerusalem, wo Jesus am Kreuz sterben wird, um sich als Gottes Sohn der Welt zu offenbaren. Für seine Mission braucht er die Kraft und den Beistand Gottes. So wie Jesus geht es auch uns. Wir stehen ebenfalls vor Problemen in unserem Leben, für die wir Lösungen finden müssen. In der Zeit der Pandemie sind sie noch anspruchsvoller geworden. Viele Menschen fürchten um ihre wirtschaftliche Existenz und haben Angst vor der Zukunft. Die Kinder können nicht mehr in die Schule gehen. Alte Menschen werden in den Heimen eingesperrt und leiden unter der sozialen Isolation.
 
Wir alle haben diese Lebenswüsten in unserem Leben zu bestehen. Sie begleiten uns. Es ist unsere Aufgabe, sie wie Jesus bewusst annehmen zu lernen. Oft fehlt vielen von uns die Kraft dafür, weil sie unsere Kräfte zu übersteigen drohen. Alleine sind wir schwach. Mit Gott zusammen sind wir stärker.
 
Nutzen wir diese Fastenzeit doch dazu, wie Jesus die Kraft des Gebetes wieder neu für uns zu entdecken. Zu Beten ist keine Hexerei oder Zauberei. Es bedeutet vielmehr, dass wir uns mit unserem ganzen Leben bewusst vor Gott stellen: mit unseres Schmerzen, unserer Verzweiflung und unserer Hoffnungslosigkeit. Gerade in den Tagen der Pandemie spüren wir alle diese nicht aufhörende Müdigkeit in unseren Herzen und Seelen. Wir können einfach nicht mehr. Gerade deshalb lohnt es sich, Gott um Hilfe und Beistand in dieser schwierigen Lebenszeit zu bitten.
 
Das Gebet half Jesus, seine 40 Tage in der Wüste zu überstehen. Holen wir uns im Gebet in den Wüsten unseres Leben wie Jesus neue Kraft bei Gott. Dann gehen wir wie er gestärkt durch die Einöden unseres Lebens. Ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten 1. Fastensonntag.

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17. Februar - Aschermittwoch

Die Fastenzeit besitzt in diesem Jahr ein anderes Gesicht. Normalerweise kommen wir als Christen in Deutschland aus einer Zeit des Überflusses. Vieles ist uns gewohnt, vieles erscheint uns als Alltag: ob das reiche Angebot an Waren im Supermarkt, die spannenden Urlaubsreisen in exotische Länder oder die bunte Welt der Unterhaltungsindustrie.
 
In diesem Jahr ist alles anders. Hinter uns liegen gut ein Jahr an Erfahrungen mit der Coronapandemie. Vieles von dem, was wie selbstverständlich immer zur Verfügung stand, ist nicht mehr greifbar. Gaststätten sind mittlerweile geschlossen, Konzerte gibt es nicht mehr und Reisen sind ebenfalls nicht mehr möglich. Ob wir wollten oder nicht, dieses Jahr der Pandemie zwang uns zum Verzicht.
 
Warum sollten wir uns dann noch extra auf eine Fastenzeit einlassen? Wir haben doch alle in den letzten Monaten auf so vieles im eigenen Leben verzichtet? Wozu braucht es dann noch eine Fastenzeit?
 
Zu Fasten ist mehr als nur die Einübung im Loslassen von Gewohntem und Liebgewordenem. Fasten ist vielmehr eine Lebenseinstellung der bewussten Achtsamkeit in der Konzentration auf das Wesentliche.
 
Das zeigt uns auch die Stelle aus dem Evangelium nach Matthäus. Wenn wir Gerechtigkeit üben, so der Evangelist, sollen wir das nicht vor den Menschen tun. Ebenso brauchen wir beim Spenden von Almosen keine große Aufmerksamkeit zu erwarten. Unser Gebet soll still in der Kammer geschehen. Die ganzen Beispiele zeigen, dass es nicht um die äußere glanzvolle Seite unseres eigenen Handelns vor den anderen Menschen geht. Wenn wir etwas tun, sollen wir es mit Überzeugung tun, weil unser Herz davon überzeugt ist. So können wir von der Sucht nach Anerkennung und Beifall als Menschen wirklich frei werden und in unserem Leben ganz auf Gott ausrichten.
 
Mit ihm ganz eng verbunden zu sein, ist der größte Lohn, den wir als Christen erhalten können. Dann erlangen wir das Heil für unsere eigene Seele. Das geschieht aber nicht im Trubel des Alltages oder auf den Bühnen des Lebens, sondern in aller Stille und Einsamkeit unserer Kammer, wie es Matthäus beschreibt.
 
Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Fastenzeit mit vielen Augenblicken der inneren Ruhe und Einkehr, um ganz bei Gott zu sein.

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10. Januar – Taufe des Herrn

Wir sehnen uns alle in den trockenen Tagen des Sommers nach Wasser. Die Wiesen veröden, die Pflanzen und Bäume vertrocknen. Statt des saftigen Grüns breitet sich immer mehr das Braun als Farbe des Todes aus. Wasser hat eine lebensspende Bedeutung. Wenn am Abend gegossen wird, kommt frisches Wasser bis in die letzten Ecken des Gartens. Die Pflanzen können aufatmen. Neues Leben geht durch alle Blüten und Blätter.
 
Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Das neue Leben mit Gott in der Taufe wird ebenfalls mit Wasser vollzogen.
 
Zunächst wird bei der Taufe das Taufwasser gesegnet. Das Weihwasser stellt uns vor Augen, dass in der Dürre das Wasser neues Leben gibt. Das Leben mit Gott bekommt der Täufling durch das Wasser geschenkt, wenn er unerlöst und gottesfern umherirrt. Die Osterkerze wird in das Wasser eingesenkt. Die Taufe der Taufkandidaten wird vollzogen. Das Lebensbund mit Gott beginnt nun, der für immer fortbesteht.
 
Jesus gab mit seiner Taufe das Vorbild. Als er von Johannes dem Täufer im Jordan mit Wasser übergossen wurde, bekannte eine Stimme aus dem Himmel ihn als den Sohn Gottes. So werden alle Getauften zu Kindern Gottes.
 
Das Weihwasser richtet unsere Gedanken auf den inneren Durst, den nur Gott stillen kann. Wie die Pflanzen das Wasser zum Leben brauchen, benötigen wir das neue Leben mit Gott aus der Taufe. Es schenkt uns in der Stunde des Todes die Sicherheit, nicht im Nichts verloren zu gehen, sondern bei Gott in alle Ewigkeit weiterzuleben.
 
So nehmen wir auch Weihwasser am Kircheingang. Als gereinigte und geläuterte Menschen, als Getaufte kommen wir zu Gott, dem Vater.
 
Weihwasser wird beim Bußakt der heiligen Messe in Form des Aspersio verwendet. Weihwasser wird für die Segnung bestimmter Dinge gebraucht. Sie werden übergossen von der Lebendigkeit Gottes und hineingestellt in das Ostergeheimnis Christi. Wasser segnet und Wasser heiligt. Weihwasser gehört zum christlichen Haus als Taufdank und Tauferinnerung.
 
Wird das Taufwasser nachdenklich und besinnlich gebraucht, dann zeigen seine Tropfen, wie Gott uns erquickt, wenn die Tages des Lebens heiß werden.
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9. Januar 2021
 
Im Ersten Johannesbrief werden die Gedanken zur Liebe Gottes zu uns Menschen heute weitergeführt. Wenn uns Gott so sehr liebt, dann sind wir verpflichtet, diese Liebe an unsere Mitmenschen weiterzugeben. Zu lieben bedeutet, Gottes Gegenwart zu spüren. Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln dieses Briefes gesehen, dass Liebe im wörtlichen Sinn gegenüber jedem Menschen eine emotionale Überforderung ist. Wir können aber einen Bruchteil der Liebe Gottes trotzdem an unsere Mitmenschen verschenken. Ethisch „gut“ zu handeln, zu versuchen, das „Richtige“ zu tun, lässt eine Gemeinschaft mit Gott entstehen. Ein solches Verhalten hilft aber auch, aus dem Kreislauf der Gewalt wieder auszusteigen, der in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist. Die Liebe Gottes im eigenen Leben lebendig werden zu lassen, heißt auch, ein Bote Gottes für den Frieden unter den Menschen zu sein. „Daran merken wir, dass wir in seiner Gegenwart leben und er in uns gegenwärtig bleibt.“ (1 Joh 4,13)
 
Es braucht keine großen Theorien, es braucht keine großen gesellschaftlichen Entwürfe, um die Liebe Gottes wirksam zu leben. Fangen wir in den alltäglichen Begegnungen mit unseren Mitmenschen an. Ziehen wir das Gift aus unseren sozialen Beziehungen bewusst heraus. Wir müssen nicht immer die Stärkeren sein, die sich um jeden Preis durchsetzen müssen. Aus der Liebe Gottes zu leben, heißt auch, einmal etwas hinzunehmen. Es ist der Weg Jesu zum Kreuz, den wir alle in unserem Leben jeder auf seine Weise ein Stück mit ihm zusammen gehen müssen. Selbstverleugnung ist keine Schwäche. Sie ist vielmehr Weisheit im Wissen um das Höhere, welches unser Leben erst wirklich lebenswert macht: Das ist der Friede. Es braucht nicht jeder Konflikt bis zum Letzten durchgefochten zu werden. Wir müssen nicht immer die Sieger jeder Auseinandersetzung sein. Liebe kann ebenfalls verlangen, Geduld zu haben und Nachsicht zu üben. „Die Liebe kennt keine Furcht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.“ (1 Joh 4,18)
 
Gerade diese Worte sind in den Tagen der Pandemie so aktuell. Unsere Gesellschaft lebt in permanenter Angst: Wie geht es mit mir weiter? Kann ich meine berufliche Existenz auch weiterhin sichern? Erkranke ich ebenfalls an diesem Virus? Steht mir der eigene Tod schon jetzt unmittelbar bevor?
 
Wir haben in diesem Leben keinen Anspruch darauf, vor allen Gefahren und Widrigkeiten verschont zu bleiben. Das beste Beispiel dafür ist Jesus. Er musste die bittere Erfahrung des Kreuzes bis zum Tod ertragen. Die Botschaft des Ersten Johannesbriefes wäre misszuverstehen, wenn sie dahingehend gedeutet werden würde, dass eine bewusste Umsetzung des Liebesgebotes vor allen Gefahren im eigenen Leben schützen würde. Dem ist nicht so. Schon die eigene Lebenserfahrung unterstützt diese Aussage. Wenn ich aber konsequent in der Liebe Gottes und damit letztendlich in seiner Gegenwart bleibe, hat die Furcht vor allen möglichen schrecklichen Ereignissen im eigenen Leben keine Macht mehr über mich. Das ist das große Geschenk, welches uns dieser Brief macht: Gott hilft uns mit seiner Liebe, die eigene Furcht, die eigene Angst besiegen zu helfen.
 
Angst macht klein. Angst macht schwach. Angst macht krank. Bleiben wir in der Liebe Gottes. „Denn Furcht rechnet mit Strafe. Bei dem, der sich fürchtet, ist die Liebe noch nicht an ihr Ziel gelangt.“ (1 Joh 4,18) Die Liebe Gottes macht uns frei. Wir brauchen keine Gewalt, wir brauchen keine Angst vor Strafen mehr zu haben. Gott nimmt uns an, auch in den dunkelsten Stunden des eigenen Lebens. Mit Gott zusammen sind wir stärker als das Virus. Mit Gott zusammen brauchen wir keine Angst mehr zu haben. Mit Gott zusammen werden wir frei.
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8. Januar 2021 – 1 Joh 4,7-10
 
In der heutigen Stelle aus dem Ersten Johannesbrief geht es um die Liebe, welche wir unter den Menschen einander schenken sollen und um die Liebe Gottes. „Wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt ihn.“ (1 Joh 4,7) In seinem ersten Band über Jesus von Nazareth weist Papst Benedikt XVI. auf die Schwierigkeiten hin, die mit dem Verständnis Gottes durch den Vater verbunden sein können. Der Vater sei nicht ohne weiteres spürbar: „[…] die Erfahrung des Vaters ist vielfach entweder ganz abwesend oder durch das Ungenügen der Väter verdunkelt.“ (Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Band 1, S. 170.) Erschwerend kommt hinzu, dass die Rede vom Vater heute als unzulässige Vereinnahmung Gottes mit männlichen Attributen stark in Frage gestellt wird.
 
Der emeritierte Papst schlägt deshalb vor, von Jesus zu lernen, was „Vater“ eigentlich bedeutet. Wenn Jesus über den Vater redet, erscheint er als „Quell alles Guten“, als der „Maßstab der recht gewordenen Menschen“. Die Liebe des Vaters geht bis an das Ende. Am Kreuz hat sie Jesus im Beten für seine Feinde erfüllt. Das Wesen des Vaters leuchtet hier voll auf. „Er ist diese Liebe. Weil Jesus sie vollzieht, ist er ganz ‚Sohn‘, und er lädt uns ein, ‚Söhne‘ zu werden […].“ (Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Band 1, S. 170.)
 
Das Handeln von Jesus ist ohne seine Beziehung zum Vater nicht zu trennen. Der Vater und er sind eins. Darin liegt der Grund, warum der Erste Johannesbrief sagen kann, dass die Liebe zu Gott im Vater ihre letzte Ursache hat. In Jesus Christus ist diese Liebe des Vaters allen Menschen erschienen. Im Ersten Johannesbrief heißt es dazu noch einmal: „So ist Gottes Liebe sichtbar geworden: Gott sandte seinen einzigen Sohn in die Welt, damit wir durch ihn das Leben bekommen.“ (1 Joh 4,9)
 
Immer mehr Kinder müssen heute die Erfahrung machen, ohne Vater aufzuwachsen. Ihnen ist mangels eigener Erlebnisse nicht bewusst, was diese Liebe des Vaters bedeutet. Das Leben und die Taten Jesu bieten jedem die Möglichkeit, unseren himmlischen Vater kennenzulernen. Er ist das Urbild der Liebe, weil er uns alle liebt. Diese Liebe sollen wir an andere weitergeben. Da wir nicht Gott sind, können wir das als Gläubige auf Erden nur begrenzt tun. Seine Liebe kennt keine Grenzen. Unsere Kräfte, Möglichkeiten und Ressourcen sind dagegen endlich. Das ist auch dem Ersten Johannesbrief bewusst. Die Liebe wird deshalb nicht an uns Menschen in ihrem innersten Kern festgemacht, sondern am Vater: „Die Liebe besteht nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat.“ (1 Joh 4,10)
 
Gott weiß um unsere Schwächen. Es sandte uns deswegen seinen Sohn, damit unser Leben ohne Gott, uns nicht mehr von ihm trennen kann, in welchem wir uns immer wieder verfangen. (1 Joh 4,10)
 
In diesem noch jungen, neuen Jahr werden ständig Augenblicke und Situationen kommen, in denen wir uns von Gott entfernen. Wir dürfen aber darauf vertrauen, dass er sich von uns auch dann nicht abwendet. Seine Liebe kennt kein Limit. Durch seinen Sohn hat er sich mit uns allen versöhnt.
  
Literaturtipp:
 
Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Band 1.
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7. Januar - 1 Joh 3,22-4,6

Unser menschliches Leben steht vor der Aufgabe, gedeutet zu werden. Die mich umgebende Welt steht mir zunächst fremd gegenüber, wenn ich sie betrete. Woran orientiere ich mich, um eine Beziehung zu ihr aufbauen zu können? Was kann mir in Krisensituationen und schweren Lebensabschnitten Halt geben?
 
Für Christen ist Jesus Christus die Mitte ihres Lebens. Durch die Taufe gehen sie eine Beziehung zu ihm ein, die nicht mehr aufzulösen ist. Sie ist so eng, dass sie auch nach dem eigenen Tod weiterbesteht.
 
Um diese lebendige Verbindung zu Jesus ein ganzes Leben lang halten zu können, ist es wichtig, die Gebote zu befolgen, welche er verkündete. Es war ihm besonders wichtig gewesen, seinen Nächsten zu lieben. Der Erste Johannesbrief nimmt darauf immer wieder Bezug. Wir sahen bereits, dass darunter nicht die Liebe im Sinne des Eros zu verstehen ist, sondern mit anderen Menschen gut umzugehen.
 
Der Erste Johannesbrief führt in diese grundlegenden Lehren des Christentums als Religion ein: „Wer seine Gebote hält, lebt in seiner Gegenwart und er ist gegenwärtig in ihm.“ (1 Joh 3,24) Es geht nicht darum, den Menschen unter die Gesetze Jesu zu zwingen und ihm die Freiheit zu nehmen. Das Gegenteil ist vielmehr richtig. Indem die Christen das befolgen, was Jesus gelehrt hat, werden sie frei. Es zeigte sich in der Geschichte der Menschheit, dass der Glaube an Jesus Christus sich als besonders widerstandsfähig gegenüber Diktaturen erwies. Die zahlreichen Glaubensmärtyrer aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus bezeugen dies eindrucksvoll. Wer glaubt, lebt in der Gegenwart Jesu Christi. Die Gesetze und Mechanismen der jeweiligen Zeiten haben nur einen bedingten Zugriff auf die Seele eines Glaubenden. Jesus Christus ist und bleibt sein Zentrum. Er ist gegenwärtig in ihm.
 
Jesus hat als Mensch wirklich gelebt. Die Christen bekennen sich zu keinem Geistwesen, welches nur im luftleeren Raum existieren würde. Das Leben von Jesus als Mensch auf Erden wurde immer wieder bestritten. Dem Ersten Johannesbrief ist dieser Zusammenhang zwischen Jesus und uns Menschen besonders wichtig: „Jesus Christus ist wirklich Mensch geworden!“ (1 Joh 4,2)
 
Warum ist diese Aussage so wegweisend für das Christentum? Gott ist in seinem Sohn Jesus zu uns gekommen. Er möchte Anteil an unserem Leben nehmen. Wenn er kein Mensch geworden wäre, würde es diese enge Beziehung zwischen Gott und Mensch nicht geben. In unseren ganzen Höhen und Tiefen des Lebens begleitet uns dieser lebendige Gott. Alles, was uns schmerzt oder freut, was uns ängstigt oder Kraft gibt, können wir mit ihm teilen. Gott ist mit uns durch seinen Sohn.
 
Das würde uns alles verlorengehen, wenn Jesus nicht ein Mensch wie jeder andere gewesen wäre. Der Erste Johannesbrief bezeichnet diejenigen, welche so etwas behaupten, auch als „falsche Propheten“. (1 Joh 4,1) Gerade diese Stelle zeigt, dass der Glaube auch immer mit der Gefahr verbunden ist, das falsche zu tun.
 
Für jeden Christen ist deswegen nicht nur der Glaube von Bedeutung, sondern auch die Vernunft. Sie hilft, die Beziehung zu Jesus zu verstehen, um den richtigen Weg zu Gott zu finden und sich nicht von ihm abbringen zu lassen. Machen wir uns immer wieder auf, ihm zu folgen und ihn zu suchen. Die Heiligen Drei Könige haben es uns vorgelebt.
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6. Januar - Fest der Heiligen Drei Könige – Erscheinung des Herrn

Zum Beginn eines neuen Jahres stehen wir immer vor der Ungewissheit, was uns in den kommenden Monaten erwarten wird. Das macht uns unsicher. Wir hätten in einer Welt der Planbarkeit und sicheren Vorhersagen gerne gewusst, was auf uns zukommt. Keiner konnte wissen, wie sehr uns alle die Coronapandemie bis in unsere Familien hinein beschäftigen würde.
 
Es ist für jeden Menschen ein schwieriger Lernprozess, zu akzeptieren, dass das eigene Leben trotz vieler Versicherungen gegen alle möglichen Schadensfälle letztlich ungesichert und nicht vorhersehbar bleibt. Wir wünschen uns diese Verlässlichkeit dessen, was auf uns wartet, damit wir uns darauf einstellen können. Erwarten können wir es aber nicht.
 
Das Fest der Heiligen Drei Könige beschäftigt sich mit der Unsicherheit des eigenen Lebens, auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt so scheint. Sie begeben sich aus einem fernen Land, die Bibel spricht allgemein vom „Osten“, nach Israel, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen.
 
Im frommen Verständnis dieses Festes wirkt das zunächst recht feierlich. Wir stellen uns prächtig geschmückte Könige vor, die mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beladen, nach Jerusalem feierlich einziehen. Fremd und erhaben wirken sie, so die romantische Vorstellung in nicht wenigen Darstellungen.
 
Wie die drei Magier, Sterndeuter oder Könige von der Geburt Jesu erfuhren, wissen wir nicht. Die Bibel schweigt sich darüber aus. Es muss ein Anruf Gottes in ihrem Leben erfolgt sein, der Spur dieses Kindes zu folgen, welche geboren werden wird. An diesem Punkt schließt sich die Brücke zu unserem Leben. Sie machten sich auf einen langen und gefährlichen Weg. Sie scheuten keine Mühen und Kosten, um zu dem Kind in der Krippe zu kommen. Sicherheit und planbaren Erfolg erwarteten sie nicht für ihr Unterfangen. Allein Gottes Zusage für die Geburt dieses Kindes reichte ihnen aus, um loszugehen.
 
Könnten diese drei Männer aus dem fernen Osten nicht zu Patronen für unsere Kirche in diesen Tagen wieder werden? Wie verzagt zeigen wir Christen gerade in Deutschland uns oft wegen angeblich fehlender Veränderungen und Reformen, wegen scheinbar veralteter und überholter Strukturen? Könnten wir nicht uns von diesen Männern abschauen, was es heißt, auf Gott im eigenen Leben wirklich zu vertrauen?
 
Der lange Weg, den sie zu Jesus auf sich nahmen, zeigt es uns: Glauben heißt auch immer, die Unsicherheit des eigenen Lebens im Vertrauen auf Gott annehmen und akzeptieren zu lernen. In diesem Satz stecken viele Lernprozesse, die dabei durchlaufen werden müssen. Nur einige Fragen seien hier genannt: Wie ist mein Verhältnis zu mir? Kann ich mich selbst akzeptieren? Wie gehe ich mit meinen Nächsten um? Muss ich immer alles und jeden dominieren? Muss und kann ich alles in meinem Leben bis ins letzte Detail hinein planen?
 
Die heiligen Männer aus dem Osten lehren uns aber auch noch eine andere wichtige Lektion für die Kirche unserer Tage: Es geht im Zentrum von allem immer um Gott, bei dem was sie tun. Das sollte auch der Maßstab für unser eigenes Handeln und Denken werden. Ist es wirklich Gott, der mich zu etwas bewegt oder stecken hinter meinen Wünschen und Hoffnungen noch andere Motive?
 
Die Heiligen Drei Könige zeigten Mut und Entschlossenheit, den Weg zur Krippe zu finden. Lassen wir uns von ihnen inspirieren und gehen wir ebenfalls los: ins Ungesicherte und Ungewisse unseres eigenen Lebens hinein zum Kind in der Krippe.
 
 
Literaturtipp:
 
Hildegund Keul, Weihnachten – Das Wagnis der Verwundbarkeit
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5. Januar – 1. Johannesbrief 3,11-21

Im Ersten Johannesbrief wird noch einmal unmissverständlich die Grundforderung des christlichen Glaubens übermittelt: „Wir sollen einander lieben.“ (1 Joh 3,11)
 
Wohin die Welt sich entwickelt, wenn dieses Gebot verletzt wird, zeigt sich anhand des Beispiels von Kain und Abel. Kain erschlägt seinen Bruder Abel, weil Gott an seinem Opfer ein größeres Wohlgefallen fand. Missgunst und Neid im Herzen von Kain führen ihn am Ende zum Mord an seinem Bruder. Sein brutales Handeln zeigt: Es bedarf einer großen Reifung des menschlichen Herzens, um den anderen lieben zu können. Das Gebot des Ersten Johannesbriefes behält auch dann noch seine Gültigkeit, wenn der Andere etwas besser kann oder ich ihn nicht mag. Um gut miteinander auskommen zu können, ist es unverzichtbar. Wie schnell steigen die Gefühle der Aggression und Ablehnung in einem selbst hoch. Der Andere wird so zum Feind, der vernichtet werden muss, damit ich mich sicher fühlen kann.
 
Diesen Kreislauf der Gewalt möchte der Erste Johannesbrief mit seinem Appell zur Liebe durchbrechen. Wer nicht zur Liebe bereit ist, verfällt schnell in ihr Gegenteil: dem Hass oder dem Zwang zur Herrschaft über andere. Der Erste Johannesbrief stellt aber klar: „Wer seinen Bruder oder seine Schwester hasst, ist ein Mörder.“ (1 Joh 3,15)
 
Ist das nicht zu hart formuliert? Hass ist ein starkes Gefühl. Es kann sich wie im Fall von Kain bis zum Wunsch steigern, seinen Bruder vernichten zu wollen. Oft genug ist das schon in der Geschichte der Menschheit geschehen; die vielen Kriege und die lange Liste von Terroranschlägen und blutigen Gewalttaten sind ein trauriger Beleg dafür.
 
„Ich kann doch aber nicht jeden Menschen lieben“, lautet ein berechtigter Einwand. „Das würde mich überfordern.“ Das ist richtig. Das verlangt aber auch die Heilige Schrift nicht von uns. Wenn wir das Wort Liebe mit „gut behandeln“ übersetzen, ist schon viel erreicht. Liebe ist ähnlich wie der Hass ein starkes Gefühl, welches aus der Mitte des eigenen Herzens kommt. Es würde jeden überfordern, allen Menschen in dieser emotionalen Intensität zu begegnen. Es ist aber machbar, meinem Nächsten mit Anstand und Respekt zu begegnen, ihn einfach „gut“ zu behandeln. Auch das ist schon schwer genug. Es wäre aber ein guter Vorsatz für das neue Jahr.
 
„Stellt euch vor: Jemand ist mit allem gut versorgt, sieht aber, dass sein Bruder oder seine Schwester Not leidet. Wenn er dann sein Herz vor ihrer Not verschließt – wie soll da noch die Liebe Gottes in ihm wirksam bleiben?“ (1 Joh 3,17)
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04. Januar 2021 - Joh. 1, 35-42

Wir erleben heute im Evangelium nach Johannes eine typische Berufungsgeschichte. Johannes der Täufer und seine beiden Jünger sehen Jesus. Johannes bezeichnet Jesus als das Lamm Gottes. Ihm ist die besondere Sendung von Jesus bewusst. Das „Lamm Gottes“ steht für ein Opfertier, welches geschlachtet werden soll und gegen seinen Tod sich nicht wehrt. Der kommende Karfreitag mit dem Tod am Kreuz liegt schon in den Worten des Johannes. Das weckt das Interesse seiner beiden Jünger. Sie folgen Jesus nach. „Kommt und seht selbst!“ (Joh 1,39), lädt er sie in seine Wohnung ein, um sich dort umzuschauen.
 
Was mögen die Jünger zu sehen bekommen haben? Das ist nicht so wichtig. Wir wissen es selbst: Wohnungen mögen noch so geschmackvoll eingerichtet sein, sie gelangen erst durch die Person des Gastgebers wirklich zum Leben. Entscheidend ist vielmehr, was Jesus zu ihnen gesagt haben wird. Andreas berichtet es später seinem Bruder Simon: „Wir haben den Messias gefunden.“ (Joh 1,41) Wonach sich das Volk Israel in seiner Geschichte solange gesehnt hatte, ist mit Jesus Wirklichkeit geworden. Gottes Heil ist endgültig zu den Menschen gekommen.
 
Die Einladung Jesu an die Jünger des Johannes ist auch an uns Leser des heutigen Evangeliums gerichtet. Jesus wartet jeden Tag immer wieder neu auf uns. Die Jünger haben es uns gezeigt: Wir können uns alle auf den Weg zu ihm machen.
 
Das Pilgern erfuhr in den letzten Jahren einen großen Aufschwung. Um voran zu kommen, muss Schritt für Schritt gegangen werden. Genauso ist es auch mit dem Weg zu Jesus. Was trennt mich in meinem Leben von Jesus? Welchen Schritt muss ich als nächsten gehen, um ihm wieder näher zu kommen?
 
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem ganz persönlichen Weg zu Jesus im neuen Jahr 2021.
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03. Januar 2021 - 2. Sonntag nach Weihnachten - Joh 1,1

Die Tage zwischen den Jahren geben uns Gelegenheit, über die Zeit als Phänomen nachzudenken. Der Wechsel von einem alten in ein neues Jahr lässt die Zeit als Begleiterin unseres Lebens uns nahe werden. Im Lauf der kommenden 12 Monate verschwindet sie meistens wieder aus unserem Bewusstsein. Eingespannt in die vielen Aufgaben, welche sich uns stellen, geraten wir schnell in eine Routine, die uns die Zeit vergessen lässt. Erschrocken stellen wir dann fest, wieviel an Tagen, Wochen und Monaten eines Jahres inzwischen schon wieder vergangen sind. Uns Menschen ängstigt dieses stetige und unaufhaltsame Voranschreiten des Uhrzeigers, das langsame Verrinnen des Sandes aus dem Stundenglas des Lebens. Es ist der Tod, welcher hinter dem Vergehen der Zeit steht und auf uns wartet.
 
Kann es ein Ausweg aus diesem „Verschwinden“ der Lebenszeit für uns Menschen geben, ohne dass wir in Angst davor verfallen müssten?
 
Die Zeit aufzuhalten steht nicht in unserer Macht. Wir alle werden älter. Daran ist nichts zu ändern. Wir können aber unsere Einstellung, unser Verhältnis zu Zeit überdenken. Dafür kann uns das heutige Evangelium vom 2. Sonntag nach Weihnachten behilflich sein. Dort heißt es gleich zu Beginn in Joh 1,1: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“
 
Mit Hilfe des Wortes können wir zu unserer Wirklichkeit, zu unserer Umgebung eine Beziehung herstellen. Durch den Gebrauch von Worten verdichtet sich gewissermaßen unsere Gegenwart. Sie wird durchlässiger für unsere Gedanken, wenn wir sie mit Worten beschreiben können. Die Zeit verrinnt nicht mehr linear unaufhaltsam. Sie beginnt, sich mit dem zu füllen, was uns wichtig ist: unseren Gefühlen, unseren Hoffnungen und Wünschen.
 
Das Wort, auf welches im Johannesevangelium angespielt wird, besitzt aber noch eine andere Bedeutung. Es ist Träger der göttlichen Wirklichkeit. Mit Hilfe des Wortes tritt Gott mit uns Menschen in Verbindung. Wir können mit ihm sprechen, dürfen ihn anreden. Gott wird für uns Menschen konkret erfahrbar. In den Evangelien sind uns die Worte Jesu, seine Taten und seine Lehre überliefert. Seine Worte geben uns die Gewissheit: Der Tod hat mit der Auferstehung von Jesus Christus keine Macht mehr über uns. Das Voranschreiten der Zeit braucht uns nicht länger zu ängstigen. Im Wort Gottes haben wir die Zusage, dass wir im Tod nicht verloren gehen können. Das ist unsere Hoffnung, das ist unsere Zuversicht, aus der heraus wir als Christen leben. So beginnt das Wort Gottes unser Leben ganz konkret zu verändern. Wörter sind nicht nur die Brücke zur Poesie und Philosophie, sie werden uns vielmehr zum Hoffnungsanker im unaufhörlichen Fluss der Zeit, sie schenken uns Heimat bei Gott. Der Tod hat keine Macht mehr im Gewand der verrinnenden Zeit über uns. Das Wort Gottes bleibt in alle Ewigkeit bestehen.
  
Literaturtipp:
 
Pascal Mercier, Das Gewicht der Worte
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2. Januar 2021 – Eph 4, 1-7.11-13

Paulus mahnt uns in der heutigen Stelle aus dem Brief an die Epheser zur Einheit. Er gebraucht dafür das Bild des Leibes. Wie ein Leib nur im Zusammenspiel aller Glieder funktionieren kann, zählt er die Verhaltensweisen auf, die notwendig sind, damit wir Christen die Verbundenheit in der Kirche untereinander wahren können: Demut, Freundlichkeit und Geduld.
 
Es ist nicht immer einfach, gegensätzliche Positionen zu ertragen und sie auszuhalten. Wir müssen als Kirche uns aber aktiv darum bemühen. Der Synodale Weg hat gezeigt, welche Sprengkraft darin liegen kann, wenn unversöhnliche Meinungen aufeinanderprallen.
 
Paulus ermahnt uns noch einmal ausdrücklich: „Ihr seid ein Leib.“ (Eph 4,4) Als Katholische Kirche in Deutschland sind wir Teil der Weltkirche unter Führung des Papstes in Rom. Uns sind deshalb bestimmte Bereiche entzogen, die wir nur in Deutschland allein verändern können: Dazu gehören die viel diskutierten Themen wie die Abschaffung des Zölibats und das Priestertum für Frauen.
 
Wir können als Katholische Kirche in Deutschland den Wunsch nach Veränderung in diesen Fragen an die Weltkirche richten. Jedoch müssen wir auch als Teil der Weltkirche akzeptieren, wenn diese Punkte derzeit mehrheitlich noch anders gesehen werden.
 
Wir müssen lernen, Spannungen auszuhalten, auch wenn in bestimmten Bereichen der Kirche nicht die Veränderung herbeigeführt werden können, die sich Teile der katholischen Christen in Deutschland so sehnlich wünschen. Es geht darum, den Frieden zu wahren, der als Band alles zusammenhält. (Eph 4,3)
 
Ein guter Anfang wäre es deshalb, wertschätzend auf die Arbeit in unserer Katholischen Kirche zu schauen, die von Laien und Klerikern zusammen erbracht wird, um am Aufbau des Reiches Gotts mitzuwirken: den Lehrerinnen und Lehrern in den Schulen, den Erziehrinnen und Erziehern in den verschiedenen Einrichtungen des Caritas, das Zeugnis des Ordenslebens für Christus in der unmittelbaren Nachfolge, welches Ordensfrauen und Ordensmänner jeden Tag immer wieder neu geben oder die Arbeit in den Pfarreien, welche Priester dort zusammen mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern leisten. Sie alle bilden vereint den Leib Christi. Es geht nur im miteinander.
 
Dieser Zusammenhalt ist nur im Bewusstsein möglich, dass Jesus Christus diesen Leib der Kirche gebildet hat, in dem wir heute alle als Kirche zusammenkommen. Er ist das Zentrum, er ist das Fundament, auf dem wir alle stehen. Vielleicht verlieren mit diesem Blick auch manche Fragen ihre Schärfe und Bedeutung.

Basilius der Große und Gregor von Nazianz

BASILIUS, schon von seinen Zeitgenossen „der Große“ genannt, wurde nur 49 Jahre alt. Er stammte aus angesehener christlicher Familie, studierte an mehreren Hochschulen. Erst in reifem Alter getauft, ist er nach seinen eigenen Worten damals „wie aus tiefem Schlaf erwacht, um das wunderbare Licht der Wahrheit des Evangeliums zu betrachten“. Er wurde Mönch und schrieb zwei Regeln für Mönche. 364 wurde er Priester, 370 Erzbischof von Cäsarea in Kappadozien. In seinen Schriften verteidigte er die Gottheit Christi und des Heiligen Geistes. „Tausend Sorgen um die Kirche“ bedrängten ihn: kirchliche Organisation, Ordnung der Liturgie, Reinheit des Glaubens, Hebung des Klerus und des Mönchtums, soziale Probleme. Basilius starb am 1. Januar 379.
 
GREGOR von Nazianz war Sohn des gleichnamigen Bischofs von Nazianz in Kleinasien. Er war Studienfreund des heiligen Basilius, wurde Mönch und (362) Priester. Kurze Zeit war er Erzbischof von Konstantinopel. Aber glücklicher fühlte er sich, wenn er aus der Verwaltungsarbeit und dem Treiben der Politik (auch der Kirchenpolitik) zu sich selbst zurückkehren und mit Gott stille Zwiesprache halten konnte. Er war ein leidenschaftlicher Gottsucher und Verfechter der Gottheit Christi; deshalb auch „der Theologe“ genannt. Er starb 390.

Das Vergängliche und das Ewige
„Häng dich nicht an das Vergängliche, als wäre es ewig, und verachte nicht das Ewige, als wäre es vergänglich.“ – „Das Verlangen, Gottes Größe zu preisen, ist allen vernunftbegabten Wesen von der Natur gegeben. Aber würdig über Gott zu reden, dazu sind alle in gleicher Weise unfähig.“ (Basilius, Reden)
 
Was schadet
„Wären nur alle darin mit mir einig, dass die unruhige Geschäftigkeit den Gemeinden nur schadet. Der Glaube geht in die Brüche, wenn er als Deckmantel für die ehrgeizige Rechthaberei der Einzelnen dienen muss.“ (Gregor von Nazianz, Brief an Basilius)
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1. Januar 2021 – Lk 2,16-21

Ein neues Jahr steht vor der Tür. Wir stehen immer wieder vor der gleichen Herausforderung, auf das Ungewisse der nächsten 12 Monate uns einzulassen. Keiner hätte im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt daran gedacht, was uns alles in dieser Zeitspanne abverlangt werden würde.
 
Die Hirten haben sich auf den Weg gemacht, um die Botschaft der Engel zu Maria zu bringen. Sie haben das Wagnis auf sich genommen, Gott zu vertrauen. Vertrauen, Losgehen, sich Einlassen können – Es sind wichtige Grundtugenden für ein gelingendes Leben, die uns die Hirten exemplarisch vorleben.
 
Maria begegnet uns als eine Frau, die ebenfalls bereit gewesen war, sich auf den Anruf Gottes durch den Engel Gabriel einzulassen. Es machte sie nachdenklich, was die Hirten von den Engeln ihr zu erzählen wussten: „Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus der Herr.“ (Lk 2,11) Die Nachricht der Hirten machte ihr deutlich, welche Aufgabe sie als Mutter von Jesus auf sich genommen hatte.
 
Auch wir sind als Gläubige wie Maria Teil der Geschichte von Gott mit uns Menschen. Wie an Maria ergeht auch an uns immer wieder sein Ruf, ihm zu folgen.
 
Unser Herr wird uns auch in diesem neuen Jahr durch alle Höhen und Tiefen des Lebens in den Aufgaben begleiten, die uns gestellt werden. Das vor uns liegende Zeit bietet uns aber auch eine Chance: Sie gibt uns die Möglichkeit, in unseren Einsichten und Einstellungen weiter zu wachsen und zu reifen. Gehen wir wie die Hirten im Wissen um den Beistand Gottes mutig ins Unbestimmte der noch vielen Tage, Wochen und Monate hinein. Nehmen wir wie Maria den Anruf Gottes für unser Leben an.
 
Haben wir keine Angst.
 
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2021.

Romano Guardini, Der Herr
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31. Dezember – Sylvester – Joh 1,1-18

Liebe Schwestern und Brüder,
 
wir stehen am Ende des alten und am Beginn eines neuen Jahres. Viele Hoffnungen und Erwartungen verbinden sich gerade mit dem Anfang von etwas Neuem. Wie werden sich die Geschicke meines Lebens in diesem Jahr entwickeln? Was wird mich in Beruf und Familie erwarten? Vieles liegt noch im Ungewissen. Die Konturen des Kommenden sind noch unklar und verschwommen.
 
Zum Ende des alten und zum Beginn des neuen Jahres passt deshalb sehr gut die Lesung aus dem Johannesevangelium. Sie erzählt uns allen etwas über den Anfang von allem.
 
Unser ganzes Leben ist davon geprägt, dass wir auf das Ende von etwas schauen. Geliebte Menschen verlassen uns auf unserem Lebensweg durch den Tod. Freundschaften zerbrechen. Neue Menschen werden geboren oder treten in unser Leben. Es ist ein ständiger Wechsel von Beziehungen und Begegnungen, die wir erleben können.
 
Und doch bleibt über allem ein Anfang, der alles neu macht. Es ist das Wort. Durch die Sprache ist es uns möglich, einen Zugang zur Wirklichkeit zu bekommen. Indem wir Dinge, Gefühle oder Ereignisse mit der Hilfe von Wörtern beschreiben können, erlangen sie für uns Leben. Was vorher stumm und unbestimmt blieb, erlangt nun für jeden von uns zum Leben, gewinnt Konturen, Farben und Stimmungen. Das meint der Evangelist Johannes, wenn er schreibt, dass durch das Wort alles geworden ist.
 
Diese Beziehung zu allem durch das Wort ist so grundsätzlich für jeden Menschen, dass im Johannesevangelium Gott als Hintergrund benannt wird. So wie wir Menschen uns die Wirklichkeit mit der Hilfe von Wörtern erschließen, gilt Gott als der Schöpfer von allem, dem wir begegnen können. Der Anfang des Johannesevangeliums verweist deshalb nicht ohne Grund auf das 1. Buch Mose, das Buch Genesis, zu Deutsch „Die Anfänge“. Dort heißt es: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
 
Alles was existiert, stammt von Gott, ist seine Schöpfung. Wir sollten uns immer bewusst machen, dass wir uns diesem Gott im Gebet zuwenden. Er setzte für uns Menschen den Beginn von allem. Deshalb verehren wir ihn in besonderer Weise.
 
Es werden auch im kommenden Jahr viele Schwierigkeiten auf uns warten. Die Pandemie hat uns in dem nun zu Ende gehenden Jahr 2020 zugesetzt. Viele Menschen mussten sterben, viele haben Angst um ihre Zukunft. Auch im neuen Jahr wird uns das Virus noch begleiten. Manche Rückschläge müssen verarbeitet werden. Im Gebet wird uns aber immer wieder bewusst, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind. Der Urheber von Himmel und Erde, der Schöpfer des Weltalls adoptiert uns Menschen zu seinen Nachkommen. Unsere kleine Welt wird aufgebrochen in die unendlichen Weiten des Kosmos. Denken wir groß über unser Leben, spüren wir der erhabenen Größe und Schönheit unseres Gottes nach. Dann kommen wir auch in unserem Alltag über manche Schwierigkeit hinweg, auch wenn die Angst vor der Pandemie mit ihren Folgen bleiben wird. Wir brauchen uns vor dem kleinen Virus als Menschen nicht noch kleiner zu machen. Gott und wir alle sind größer. Wir sind die Söhne und Töchter Gottes!
 
Literaturtipp:
 
Romano Guardini, Der Herr
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30. Dezember – Lk 2,36-40

Wie sieht ein Leben mit Gott aus? Dafür bietet heute die Stelle aus dem Evangelium nach Lukas ein Beispiel. Es wird dort die Prophetin Hanna vorgestellt. Über sie wird berichtet, dass sie zunächst in der Welt lebte, bevor sie sich zu einem Leben mit Gott entschloss. Sie war sieben Jahre mit ihrem Mann verheiratet. Seitdem war sie Witwe. „Sie verließ den Tempel nicht mehr und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.“ (Lk 2,37)
 
Die Witwen gehörten zu Zeit der Bibel zu den Personen, welche sich nach dem Tod ihres Mannes aus der Welt bewusst zurückzogen, um sich ganz dem Gebet zu Gott zu widmen. Sie wurden zu den Vorläufern der Ordensschwestern, welche diesen Dienst später in einem Kloster verrichteten.
 
Diesen Weg ging auch die Prophetin Hanna. Im Evangelium begegnet sie uns als alte Frau im Alter von 84 Jahren. Ein ganzes Leben lag schon hinter ihr. Den größten Teil davon verbrachte sie im Gebet und im Gespräch mit Gott.
 
Was macht ein solches Leben so besonders?
 
Die berühmte Karmelitin Theresa von Avila (28. März 1515-4. Oktober 1582) beschreibt die Welt der Spiritualität so: „Ich bemühe mich, so gut ich konnte, mir Jesus Christus, unser Gut (Gott) und unseren Herrn, in meinem Inneren zu vergegenwärtigen; und das war meine Art zu beten: Wenn ich an einen bestimmten Abschnitt der Leidensgeschichte dachte, stellte ich ihn mir innerlich vor, obwohl ich die meiste Zeit mit dem Lesen guter Bücher verbrachte, worin meine ganze Erholung bestand.“ (Vgl. Theresa von Avila, Das Buch meines Lebens, Kapitel 4,7)
 
Der innerste Kern des Lebens mit Gott ist seine ständige Vergegenwärtigung. In jedem Augenblick des eigenen Lebens sollen wir immer wieder an ihn denken, damit er uns nicht entschwinden kann, so die spanische Mystikerin.
 
Wie schnell gerät diese Beziehung im Alltag mit seinen vielen Anforderungen und Aufgaben in Vergessenheit. Hanna und Theresa von Avila zeigen uns, wie Gott zum Zentrum des eigenen Lebens wird. Er entwickelt sich zum vertrauten Gegenüber, zum Begleiter und zum Freund des eigenen Lebens - in jedem Augenblick, Schritt für Schritt.
 
Literaturtipp:
 
Theresa von Avila, Das Buch meines Lebens.
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29. Dezember – 1 Joh 2,3-11

Der Erste Johannesbrief stellt unmissverständlich klar, dass das Weihnachtsfest keine schöne Zeit des Feierns und der Geschenke gewesen ist. Er innert daran, welche unmittelbare Bedeutung die Geburt von Jesus Christus für das Leben eines jeden einzelnen Christen besitzt. „Ob wir Gott wirklich kennen, können wir daran ablesen, dass wir seine Gebote halten.“ (1 Joh 2,3) Unsere Beziehung zu Gott verliert sich nicht im Unverbindlichen. Er möchte etwas von uns. Im Glauben zu leben, ist mit einem Anspruch verbunden. Ich kann nicht tun und lassen, was ich will. Ein gläubiger Mensch zu sein, heißt auch, sich durch Gebote bewusst Grenzen setzen zu lassen.
 
In unserer heutigen Zeit ist ein solches Bild Gottes nur noch schwer vermittelbar. „Ich lasse mir nichts vorschreiben“, ist eine Grundhaltung, die weit verbreitet ist. Diese Sicht teilt der Erste Johannesbrief nicht. „Wer behauptet, ‚Ich kennen ihn‘, aber seine Gebote nicht hält, ist ein Lügner.“ (1 Joh 2,4) Das sind harte Worte. Sie stellen aber manche Einstellungen bewusst in Frage. Ein Mensch, der in Beziehung leben möchte, und danach sehnen sich alle Menschen, kann nicht tun und lassen, was er will. Es ist eine Sensibilität dafür notwendig, was mein Nächster braucht, wie es ihm geht. Nur im Blick von mir weg auf denjenigen, der neben mir steht, kann Gemeinschaft unter Menschen wirklich funktionieren.
 
Unser Gott möchte dieses Zusammensein unter den Menschen. Er fordert diese Rücksichtnahme auf den anderen im Ersten Johannesbrief ganz deutlich ein. Die Worte dieses Briefes mögen in unseren Ohren hart klingen. Sie zeigen aber nur, wie wichtig Gott diese Botschaft ist. Es ist das Gebot, welches jeder kennt und welches doch so schwer einzuhalten ist. Auch der Verfasser dieser Zeilen nimmt sich davon nicht aus. Und doch kommen wir an ihm nicht vorbei. „Es entspricht der Wahrheit Gottes.“ (1 Joh 2,8) Wir können nicht mit Gott sein und zugleich hasserfüllt leben. Es widerspricht dem Wesen Gottes, welches immer die Liebe ist. So weiß auch der Erste Johannesbrief zu berichten: „Wer seinen Bruder oder seine Schwester liebt, bleibt im Licht. […] Wer aber seinen Bruder oder seine Schwester hasst, lebt in der Dunkelheit.“ (1 Joh 2,10-11)
 
Werden wir zu Kindern des Lichtes. Es ist nicht immer leicht, im grauen Alltag das Licht Gottes hell strahlen zu lassen. Deshalb sind diese vielen kleinen Neuaufbrüche und Neubeginne im Leben eines jeden von uns so wichtig. Ein kleines Wort der Verzeihung oder eine Geste der Versöhnung können dabei helfen. So beginnt das Licht Gottes wieder für uns neu zu strahlen. Unser Leben ist einfach zu kurz, um es dauerhaft in Dunkelheit zu verbringen.
 
Literaturtipp:
 
BasisBibel Neues Testament und Psalmen, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, 2014
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28. Dezember – „Unschuldige Kinder“ – Mt 2,13-18
 
„Windle dich, stöhne, Tochter Zion, wie eine gebärende Frau! Denn jetzt musst du hinaus aus der Stadt, auf freiem Feld musst du wohnen.“ (Mt 4,10) Diese bedrohliche Prophezeiung aus dem alttestamentlichen Buch des Propheten Micha kann man auch auf die Familie Jesu beziehen. Maria und Josef müssen mit Jesus fliehen. Sie gehen nicht freiwillig in ein fremdes Land, sondern ihre Migration erfolgt aus politischen Gründen. Eine Staatsmacht greift unerbittlich zu und trachtet dem Neugeborenen nach dem Leben. Wenn Jesus eine Zukunft haben soll, dann muss sein Leben geschützt werden – sofort, ohne Zögern und mit aller Kraft.
 
Josef erkennt dies und handelt unverzüglich. Das Matthäus-Evangelium suggeriert, dass er sofort aufspringt, mitten in der Nacht, dass er hastig alles zusammenpackt und mit Frau und Neugeborenem aufbricht. Es bleibt keine Zeit. Eine dramatische Flucht erfolgt. Kurz nach einer Geburt außerhalb schützender Mauern müssen sie Hals über Kopf aufbrechen, denn sie sind von Mord und Totschlag einer skrupellosen Staatsmacht bedroht. Sie fliehen weg aus ihrem Heimatland und damit über politische, wirtschaftliche und religiöse Grenzen. Dies erfordert große körperliche Anstrengungen. Zugleich ist eine Flucht immer auch eine geistig-spirituelle Herausforderung. Maria und Josef wissen, dass die Häscher des Herodes ihnen nachsetzen. Die Häscher sitzen ihnen im Nacken. Jederzeit müssen die Fliehenden daher wachsam sein und beobachten, ob sich ein Übergriff ankündigt. Sie beäugen Menschen und alles, was sich bewegt. Sie wissen nicht, wem sie vertrauen und wann sie rasten können. Zudem fördern die Häscher im Nacken nicht gerade einen gesunden, tiefen Schlaf. Ein Ohr bleibt immer offen. Das alles macht den beschwerlichen Weg noch schwerer.
 
Das Matthäus-Evangelium stellt Josefs Leistung besonders heraus. Er bleibt nicht dort, wo sein Leben und das seiner Familie bedroht sind, sondern er flieht auf dem weiten Weg nach Ägypten. Er geht nicht den leichten und sicheren Weg, sich seiner Verantwortung als sozialer Vater durch Abwesenheit zu entziehen. Er setzt vielmehr alles daran, das Überleben des Kindes zu sichern. Sein Verhalten führt die Notwendigkeit vor Augen, sich und Andere an der richtigen Stelle vor Verwundungen zu schützen. Josef ist verblüffend großzügig und opferbereit. Er könnte damit heute zum Vorbild für soziale Mütter und Väter aller Art werden – Menschen, die Hingabe wagen, indem sie anderen Unterstützung und Schutz gewähren.
 
Maria und Josef riskieren ihr Leben, um ihr Kind vor Verwundung und Tod zu schützen. Menschen auf der Flucht sind äußerst verwundbar. In der Fremde können sie nicht auf Entgegenkommen von Verwandten, Freundinnen und Freunden zählen. Sie müssen um ihr Wohlergehen, häufiger sogar um ihr Leben bangen. Sie kommen an Orte, wo sie unerwünscht sind, weil sie als Bedürftige oder Drückeberger, Habenichtse oder gar Verbrecher eingestuft werden. Selbst diejenigen, die in ihrem Heimatland wohlsituiert waren, dann aber aus politischen Gründen fliehen müssen, kommen in ihrem Gastland in eine schwierige, weil ungesicherte Situation. Auch Flüchtlinge zeichnet eine hohe Verwundbarkeit aus: Sie können sich gegen Übergriffe aller Art nur bedingt zur Wehr setzen; sie verfügen nicht über notwendige Lebensressourcen und sind auf den Schutz durch Andere angewiesen.
 
Auch Jesus bleibt von der Flucht nicht unberührt. In Ägypten wird er zum Kind mit Migrationshintergrund. Als solches ist er den Gefährdungen des Lebens in besonderem Maß ausgesetzt. Er ist nicht zuhause, sondern in der Fremde. Und dennoch besteht Hoffnung auf eine große Zukunft, die sich später auch tatsächlich realisiert.
 
Aus: Hildegund Keul, Weihnachten – Das Wagnis der Verwundbarkeit, S. 55-57.
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27. Dezember – Fest der Heiligen Familie – Lk 2,22-40

Das Fest der Heiligen Familie wird immer gerne zum Anlass genommen, die Familie aus Maria, Joseph und Jesus als romantische Idylle des Heiligen darzustellen. Wir konnten schon an der Figur des Joseph sehen, wie spannungsgeladen die Schwangerschaft seiner Verlobten Maria für ihn war, in welchem Gegensatz sie zu den damals herrschenden Gesetzes- und Moralvorstellungen stand. Auch für Maria war es eine Herausforderung, die Botschaft des Engels anzunehmen. Sie musste hören, wo kein Mensch ein Wort sagt; sie spürte eine Anwesenheit, die nicht sichtbar ist; sie achtete auf Zeichen einer Ankunft, die noch im Verborgenen ruht. Dazu kamen die Bedrohungen durch Herodes und die gefährliche Flucht nach Ägypten, die immer unter dem Schatten des Todes stand.
 
Aber nicht nur die Geburt von Jesus und sein Leben als Kleinkind waren bedroht. Auch später traten Spannungen in der Familie auf. Im dritten Kapitel des Evangeliums nach Markus ist die Stelle überliefert, dass die Verwandten von Jesus ihn mit Gewalt nach Hause holen wollten. Sie trauten seiner Berufung nicht und erklärten: „Er ist verrückt geworden.“ (Mk 3,21)
 
Diese wenigen Details aus dem Leben Jesu mit seiner Familie sollen zeigen, dass es auch dort nicht immer einfach gewesen ist. Joseph, Maria und Jesus standen unter dem Druck der äußeren Verhältnisse. Es gab ebenfalls Streit und Spannungen innerhalb dieser Familie. Sie unterscheidet sich damit nicht von den vielen Familien in unserem Land. Was diese Familie aber so besonders macht, ist ihre Bereitschaft, dem Ruf Gottes zu folgen. Jeder von ihnen tat es auf seine Weise. Joseph folgte der Mahnung des Engels, Maria beizustehen und sie mit ihrem Kind nicht zu verlassen. Er beschützte beide und floh mit ihnen vor Herodes nach Ägypten. Maria stimmte der Offenbarung des Engels zu, den Sohn Gottes als Mutter auf die Welt zu bringen. Jesus lebte diese Berufung bis zum Tod am Kreuz, seiner Auferstehung und Himmelfahrt. So werden uns die Mitglieder dieser Familie zum Vorbild, sich dem Geist Gottes immer wieder neu zu öffnen.
 
Unsere Familien stehen wie die Heilige Familie auch unter großen Belastungen. Die moderne Arbeitswelt verlangt den Müttern und Vätern viel ab. Die Anforderungen in der Schule steigen ständig. Schon die Kinder müssen viel leisten. In der Pandemie bangen viele um ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage. Es tut deshalb gut, sich bei Gott die Kraft zu holen, die jeder braucht, um den stressigen Alltag zu bestehen. Auch in unseren Familien geht jeder seinen ganz eigenen Weg mit Gott. Joseph, Maria und Jesus zeigen uns, welchen großen Wert es für das eigene Leben hat, sich für andere einzusetzen und ja zueinander zu sagen, auch wenn es manchmal schwerfällt. Gott hilft uns dabei. Das ist das Heilige, was eine Familie ausmacht – im Vertrauen und Hören auf Gott durch alle Höhen und Tiefen des Lebens gemeinsam zu gehen.
 
Literaturtipp:
 
Hildegund Keul, Weihnachten – Das Wagnis der Verwundbarkeit
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26. Dezember – Apg 6,8-10

Am Zweiten Weihnachtsfeiertag gedenkt die Kirche traditionell an das Martyrium des Heiligen Stephanus. Sein Sterben ist das Ergebnis eines völligen falschen Verständnisses von Religion. In der Auseinandersetzung zwischen dem sich ablösenden Christentum vom Judentum flammten die Diskussionen um das richtige Gottesverständnis zwischen beiden Religionen auf. In diesen Streit geriet auch Stephanus. Im Ergebnis wurde er gesteinigt, weil sich beide Parteien unversöhnlich gegenüberstanden.

Leider ist die Geschichte von Intoleranz und Gewalt um Stephanus auch in diesen Tagen keine Seltenheit. Weltweit werden noch immer viele Christen wegen ihres Glaubens benachteiligt oder verfolgt. Die Kirche hält deswegen heute einen Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen. Ein Beispiel für die Verfolgung von Christen war im Jahr 2015 die brutale Ermordung von einundzwanzig koptischen Wanderarbeitern durch den Islamischen Staat. Sie wurden an einem libyschen Strand geköpft, nachdem der Anführer der Mörder den „barmherzigen Gott angerufen hatte.
 
Wir beten für die vielen verfolgten Christen und bitten Gott um seinen Beistand für sie.
Wir bitten für die Brüder und Schwestern, die wegen ihres Glaubens benachteiligt und verfolgt werden: Gib ihnen Kraft, damit sie in ihrer Bedrängnis die Hoffnung nicht verlieren.
Wir bitten auch für die Verfolger: Öffne ihr Herz für das Leid, das sie anderen antun. Lass sie dich in den Opfern ihres Handelns erkennen.
Wir bitten für alle, die aus religiösen, politischen oder rassistischen Gründen verfolgt werden: Sieh auf das Unrecht, das ihnen widerfährt, und schenke ihnen deine Nähe.
Wir bitten auch für uns und unsere Gemeinden: Stärke unseren Glauben durch das Zeugnis unserer bedrängten Brüder und Schwestern. Mach uns empfindsam für die Not aller Unterdrückten und entschieden im Einsatz gegen jedes Unrecht.
Wir bitten für alle, die mit dem Opfer ihres Lebens Zeugnis für dich abgelegt haben: Lass sie deine Herrlichkeit schauen.

Gott unser Vater, im Gebet tragen wir das Leiden der Verfolgten vor dich und die Klage derer, denen die Sprache genommen wurde. Wir vertrauen auf dein Erbarmen und preisen deine Güte durch Christus unseren Herrn und Gott. Amen.
 
Literaturtipp:
 
Martin Mosebach, Die 21, Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer
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25. Dezember – Lk 2,15 – 20

Wir begegnen im Evangelium nach Lukas heute Außenseitern – den Hirten. Nachts müssen sie ihre Herden bewachen. Räuberische Banden oder Raubtiere wie Bären und Wölfe können ihre Herden überfallen. Um die ihnen anvertrauten Tiere zu schützen, müssen sie oft ihr eigenes Leben einsetzen. Die Tiere sind ihre Existenzgrundlage. Für sie müssen sie alles geben, damit ihnen nichts passiert. Sie brauchen sie zum Überleben.
 
Die Hirten stehen ganz am Rand der Gesellschaft. Sie gehören zur sozialen Unterschicht und genießen kein hohes Ansehen. In politische Entscheidungsabläufe sind sie nicht eingebunden. Das hindert Lukas aber nicht daran, sie zu einem zentralen Schauplatz der Weihnachtsbotschaft zu machen.
 
Weil sie in dieser Situation leben und arbeiten, müssen sie immer vorsichtig sein und aufpassen. Sie rechnen allerdings nicht damit, dass ein Engel und himmlische Heerscharen ihnen kommen. Es erscheint ein Engel und erklärt ihnen die Bedeutung des Kindes in der Krippe. Er überbringt ihnen die Botschaft von der Geburt des Messias: „Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“ (Lk 2,8-12)
 
Die Rede der Engel richtet sich nicht an eine gebildete Oberschicht. Sie ist für die Hirten bestimmt, welche einfache Menschen sind. Die Botschaft der Himmelsboten ist daher für alle Menschen da. Es braucht niemand besondere Fähigkeiten, um sie verstehen zu können. Der Engel zweifelt nicht daran, dass die Hirten seine Rede vom Messias, dem Retter in der Stadt Davids verstehen. Das Zeichen, welches ihnen der Engel nennt, ist den Hirten vertraut. Es ist gewissermaßen aus ihrem Leben gegriffen – ein Neugeborenes in einer Krippe, dem Futterplatz für die Tiere. Geburten und Krippen sind ihnen in ihrem Lebensalltag nahe. Davon verstehen sie etwas.
 
Die Hirten, um welche sich sonst niemand kümmert, werden von höherer Stelle zum Ort der Geburt gebeten. Sie werden für würdig befunden, die himmlische Botschaft zu überbringen. Anders als die Schriftgelehrten und Hohenpriester sind sie sofort bereit, ihren schutzbedürftigen Lebensort zu verlassen und zur Krippe zu gehen. Sie wollen dieses Kind sehen und seinen Eltern die Botschaft des Engels weitergeben. „Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin …“ (vgl. Lk 2,15)
 
Weihnachtlich zu leben bedeutet, der himmlischen Botschaft vertrauen zu lernen. Sie ist so bedeutsam, dass das eigene Leben sich zu verändern beginnt. Nichts ist ab diesem Augenblick der göttlichen Offenbarung so wie vorher. So geht es auch den Hirten. Sie verlassen ihre Herden, um nach Betlehem zu gehen. Was in unseren Ohren vielleicht weihnachtlich romantisch klingt, sah für die Hirten ganz anders aus. Sie setzten buchstäblich ihre eigene Existenz aufs Spiel, um die Botschaft des Engels zu überbringen. Wilde Tiere oder Räuberbanden könnten in dieser Zeit ihre Herden vernichten. Ihre Erwerbsgrundlage wäre mit einmal verloren gewesen. Sie setzen alles aufs Spiel und gelangen mitten hinein in den unscheinbaren Ort der Gottesgeburt. Sie begegnen einem Gott, der sich auf menschliches Leben einlässt, es selbst auf sich nimmt und es mit den Menschen zu teilen bereit ist. Gott macht sich klein und verletzlich, um den Kleinen und Schwachen Stärke zu verleihen. Die Hirten rücken vom Rand der Gesellschaft in die Mitte des Geschehens, ins Zentrum der Botschaft. Als Sprachlose finden sie mit Gottes Hilfe die Sprache wieder. An der Krippe bricht das Reich Gottes an.
 
Literaturtipp:
 
Hildegund Keul, Weihnachten, Das Wagnis der Verwundbarkeit
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24. Dezember – Lk 1,67-79

Der Evangelist Matthäus stellt in seiner Erzählung der Weihnachtsgeschichte, die uns heute in den Gottesdiensten zu Heilig Abend begegnet, das Handeln der Männer in den Vordergrund – Herodes, Joseph, die Sterndeuter oder die Hirten.
 
In dem Abschnitt aus der Weihnachtsgeschichte, den wir uns genauer anschauen wollen, geht es um Joseph. Wir hören kein einziges Wort von ihm. Er tritt nur als Akteur auf, den Nachrichten übermittelt werden, was er tun soll. So erscheint er gleichsam passiv als Empfangender und aktiv als Handelnder. Das macht seine Figur so besonders in dieser Geschichte.
 
Joseph durchläuft in der Begegnung mit Gott einen wichtigen Entwicklungs- und Lernprozess. Nach damaliger Sitte galt für die sexuelle Betätigung einer Frau mit einem anderen Partner als ihrem Verlobten die Todesstrafe: „Wenn ein unberührtes Mädchen mit einem Mann verlobt ist und ein anderer Mann ihr in der Stadt begegnet und sich mit ihr hinlegt, dann sollt ihr beide zum Tor dieser Stadt führen. Ihr sollt sie steinigen, und sie sollen sterben, das Mädchen, weil es in der Stadt nicht um Hilfe geschrien hat, und der Mann, weil er sich die Frau eines anderen gefügig gemacht hat.“ (Dtn 22,23 f.)
 
Als Maria schwanger wurde, befanden sie und ihr ungeborenes Kind sich in akuter Lebensgefahr. Joseph hätte das Recht gehabt, sie als seine Verlobte zum Tor der Stadt als dem Gerichtsplatz zu führen und dort steinigen zu lassen. Er tat das aber nicht. Gewalt ist nicht die Sache von Joseph. Trotzdem nagte das uneheliche Kind an seinem Selbstwert als Mann. Zuerst fasste er den Entschluss, sich still und heimlich von seiner Verlobten zu verabschieden, weil er mit dieser Schmach nicht länger leben wollte. Die damaligen Rechts- und Moralvorstellungen waren auch in seinem Denken fest verankert und bestärkten ihn in seinem ursprünglichen Vorhaben.
 
Der Engel Gottes gibt Joseph den Anstoß, seine Haltung gegenüber Maria noch einmal neu zu überdenken. „Denn das Kind, das sie erwartet, ist aus dem Heiligen Geist.“ (Lk 1,20) Es zeichnet die Größe von Joseph aus, dass er diesem göttlichen Anruf Vertrauen zu schenken bereit ist. Sein Verhalten zeigt uns, dass die Begegnung mit Gott Menschen verändern kann. Wir brauchen aber alle den Mut, uns vom Anruf Gottes in unserem Leben wie Joseph berühren zu lassen. Sind die Verwundungen, welche wir im eigenen Leben erfahren haben, doch zu stark, um sich ganz auf Gottes Anfragen einlassen zu können? Sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwänge zu beherrschend, um Neuaufbrüche im eigenen Leben zusammen mit Gott zu wagen?
 
Matthäus zeigt ohne falsche Romantik die vielen Zumutungen, mit denen Joseph zu kämpfen hat. Er muss Gerede, Klatsch und Tratsch befürchten. Er könnte diesen Untiefen des Lebens geschickt ausweichen, indem er seine Verlobte verlässt. Er tut es aber nicht. Er folgt konsequent seiner Berufung, obwohl sie ihn verwundbar macht. Schützend stellt er sich vor seine Verlobte und ihr ungeborenes Kind.
 
Die engen Fesseln der Konvention müssen nicht immer das letzte Wort im eigenen Leben haben. Joseph zeigt es uns ganz deutlich im Umgang mit dem so sensiblen Thema der Sexualität: Schwierige Lebenssituationen brauchen nicht zwingend in häuslicher Gewalt, vor allem in der körperlichen Nötigung gegenüber Frauen und Kinder zu enden. Die verletzten Gefühle benötigen keine brutale Entladung, um Genugtuung für die eigene Verwundung zu spüren und den Partner zu verletzen. Im Dialog mit Gott ist eine friedvolle Annahme der eigenen wie der Verwundungen von anderen Menschen möglich. Joseph wird so zum Botschafter zum Schutz für Frauen und Kinder vor Repressalien im häuslichen Umfeld. Auch das ist eine Botschaft von Weihnachten.
 
Literaturtipp:
 
Hildegund Kneul, Weihnachten, Das Wagnis der Verwundbarkeit
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23. Dezember - O IMMANUEL – O GOTT MIT UNS
 
O Immanuel
O Gott mit uns, unser König und
Lehrer, du Hoffnung und Heiland
der Völker:
O komm, eile und schaffe uns
Hilfe, du unser Herr und unser
Gott!

In der Theologie gibt es einen Fachbegriff für die Deutung Gottes im Verhältnis zur Welt, welche sich Deismus nennt. Diese Lehre besagt, dass Gott Schöpfer der Welt ist. Danach interessiert er sich in übertragenem Sinn allerdings nicht mehr für seine Schöpfung. Dieses Desinteresse äußert sich vor allem im Fehlen von göttlichen Eingriffen in den Verlauf der menschlichen Geschichte. Für die Anhänger dieser Richtung, welche im 16. Jahrhundert in Frankreich entstand, gibt es keine Wunder (ein Ereignis, das den Naturgesetzen widerspricht) und letztlich auch keine Offenbarung. Es existiert eine völlige Trennung zwischen Gott und Welt.
 
Der Name, mit dem Jesus in der heutigen O-Antiphon benannt wird, steht in völligem Gegensatz zu dieser Denkrichtung. Immanuel bedeutet so viel wie „Gott mit uns“. Hinter diesem Namen steckt ein ganzes Programm. Er ist nicht ohne Zufall gewählt. Wenn für Jesus dieser Name gebraucht wird, eröffnet sich ein anderes Verhältnis zwischen Gott und seiner Schöpfung vor unseren Augen. Dieser Gott steht ihr nicht teilnahmslos wie im Deismus gegenüber. Er interessiert sich für sie. Er möchte ihr helfen.
 
Wir sahen gestern, wie ablehnend Jesus der Gewalt gegenüberstand. Ihn erfüllte vielmehr der Glaube an die Macht der Liebe in den Herzen der Menschen. Ein Gott, der sich liebend für seine Schöpfung interessiert, kann ihr nicht gleichgültig gegenüberstehen. Gerade in diesen Attributen seiner Zuschreibung als „Hoffnung“ und „Heiland“ liegt dieses „Mitsein“ Gottes mit den Menschen begründet. Die Hoffnung aus dem Tun und der Lehre Jesu ergibt sich aus seiner kompromisslosen Friedfertigkeit. Er handelte nicht wie die bisherigen Könige und Herrscher. Der Krieg als Mittel zur Lösung von Problemen war Jesus fremd. Nur auf diese Weise konnte und kann tatsächlich etwas heil, etwas wieder gesund werden, was vorher krank gewesen war. Jede Form von Gewalt zerstört die Seelen und Herzen der Menschen. Liebe dagegen eröffnet neue Möglichkeiten. Sie baut auf, sie wirkt heilend, sie ermöglicht Neuanfänge.
 
Statt Menschen beherrschen zu wollen, möchte Jesus sie begleiten. Dadurch sollen sie befähigt werden, den Reichtum ihres eigenen Lebens neu zu entdecken und zu entfalten. Die Heilung von Konflikten muss in den Herzen und in den Seelen der Menschen beginnen. Genau dort fängt Jesus mit seiner heilenden Wirkung auf uns alle an. In den Zeiten der Pandemie spüren wir alle, wie hart die Isolation jeden von uns trifft, wie brutal die Trennung von Menschen sein kann, die uns besonders wichtig sind und uns am Herzen liegen. Alleine zu sein tut weh. Das Gefühl von Einsamkeit und der Verlust von sozialen Beziehungen schmerzt. Darum brauchen wir alle gerade heute so dringend einen Gott, der mit uns allen ist, der uns aus Schmerzen und Not aufrichtet und uns beisteht. Auf diese Weise bringt der von allen sehnlich erhoffte Immanuel Hilfe.
 
Wir dürfen beten:
„O komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott!“

Literaturtipp: Eugen Drewermann, Das Lukas-Evangelium, Bilder erinnerter Zukunft, Band 1.
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22. Dezember - O REX GENTIUM - O KÖNIG ALLER VÖLKER

O rex gentium
O König aller Völker, ihre
Erwartung und ihre Sehnsucht;
Schlussstein, der den Bau
zusammenhält:
O komm und errette den
Menschen, den du aus Erde
gebildet!

Liebe Schwestern und Brüder,

„Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.“ (Joh 18,36)

Was könnte Jesus mit seiner Aussage vor Pilatus während des Verhörs gemeint haben? Wenn wir auf die Geschichte der Menschheit schauen und insbesondere auf die der Herrscher und Könige, dann tritt ein Ereignis auf, welches sich immer wiederholt: der Krieg. Berühmte Schlachten und große Kriege machten Könige berühmt. Sie schmückten sich gerne mit den Lorbeeren des Siegers. Das Leid und die Not ihrer Untergebenen sahen sie nicht. Sie mussten ihre Triumphe oft genug mit dem Leben bezahlen.

Jesus versteht sein Königtum anders. Schon bei seiner Verhaftung leistet er keinen Widerstand. Er bleibt absolut friedfertig: „Wenn ich mein Königsein so verstehen würde, wie es Könige normalerweise tun, dann hätte ich dem Petrus nicht befohlen sein Schwert wieder einzustecken“, (vgl. Joh 18,10f.). Vielmehr hätte er sich aktiv verteidigt und dafür gesorgt, dass seine Ideen mit Gewalt durchgesetzt werden.
Diese Ausübung von Macht sehen die Evangelien des Neuen Testamentes kritisch. Deswegen beschreiben sie auch das Königtum von Jesus Christus als der Welt enthoben. Es ist ein Verständnis von Machtausübung und Königsein, welches dieser Welt völlig fremd scheint; es ist nicht von dieser Welt, es ist ganz wörtlich: welt-fremd.

Wenn wir auf die Erde in den letzten Jahrzehnten schauen, ist die kritische Distanz zu den Mechanismen von Macht mehr als berechtigt. Wir konnten an den großen militärischen Konflikten seit dem Fall der Mauer im Jahr 1989 sehen, dass sie schlichtweg nichts bewirkt haben. Die beiden großen Golfkriege im Irak und der Krieg in Afghanistan verschlangen Unsummen an Geld, kosteten unzähligen Menschen das Leben; nur Frieden brachten sie nicht. Wir brauchen deshalb so dringend dieses neue Königtum von Jesus Christus. Es setzt statt Waffengewalt auf die Macht der Liebe. Wenn in der Welt etwas zum Besseren bewirkt werden kann, dann sind es Verständnis für die Notlagen von Menschen und die Bereitschaft für ihre liebevolle Annahme. Deshalb warten auch die Völker voller Sehnsucht auf die Wiederkunft dieses Königs. Die Liebe ist der Schlussstein, der den Bau zusammenhält. Sie ist es, die den König aller Völker so welt-fremd macht. Noch immer haben wir Menschen nicht begriffen, dass Gewalt nur zu immer neuer Gewalt führt. Der Ausweg aus dieser endlos scheinenden Spirale bietet nur die Liebe.
 
Wir beten deshalb:

„O komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!“

Literaturtipp: Bertha von Suttner, Die Waffen nieder!
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21. Dezember - O oriens - - O Morgenstern
 
O Morgenstern, Glanz des
unversehrten Lichtes, der
Gerechtigkeit strahlende Sonne:
O komm und erleuchte, die da
sitzen in Finsternis und im
Schatten des Todes!
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
in den Religionen besitzen die Sterne eine große Bedeutung. Heinrich II. wie Nebukadnezar trugen Sternenmäntel als Zeichen ihrer herrschaftlichen Würde. In ihrem Selbstverständnis geboten sie über Himmel und Erde. Wenn unser Auge sich am Morgen zum Himmel wendet, können wir den Morgenstern sehen. Er ist das hellste vor Sonnenaufgang hervortretende Gestirn. Als Morgenstern tritt vor allem die Venus auf, wenn sie deutlich vor der Sonne aufgeht. Auch Merkur tritt als Morgenstern in Erscheinung, in Mitteleuropa jedoch nur maximal zwei Wochen im Herbst. Von den anderen Planeten ist der Jupiter alljährlich ein etwa zwei Monate strahlender Morgenstern.

Der Morgenstern erscheint als der hellste Stern am Himmel. Er weist als Bild auf die Göttlichkeit Jesu hin. Jesus Christus ist nicht nur irgendein Gott, sondern der Bedeutendste. Das wird daran deutlich, dass er heller als die Sonne ist.

Das Besondere an Jesus Christus wird auch an den Attributen deutlich, die dem Licht des Sternes beigegeben werden. Das Licht ist unversehrt. Es ist durch nichts beschädigt oder in seinem Glanz getrübt. Rein strahlt es in seiner Pracht vom Himmel zu uns Menschen. Wir brauchen diesen Haltepunkt in unserem Leben, der uns Hoffnung schenkt. Wer kann sich nicht der Magie des Sternes am Morgen entziehen, wenn er rein und klar zu uns Menschen strahlt?
 
Auch die Gerechtigkeit als zweite Zuschreibung des Lichtes hat ihre grundlegende Bedeutung für das Leben. Zunächst verwundert es, dass mit diesem Begriff, welcher für das menschliche Zusammenleben von so grundlegender Bedeutung ist, ein Licht beschrieben wird. Schnell wird aber klar, dass damit Jesus Christus gemeint ist. In der Weissagung des Propheten Jesaja über den Erlöser heißt es: „Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit.“ (Jes 9,6) Jesus Christus bringt uns die Gerechtigkeit, welche wir uns Menschen nicht geben können. Zu oft verstricken wir uns in den Kämpfen des Alltages, werden aneinander schuldig. Es braucht die Sphäre des reinen Lichtes, welche uns tröstet und Zuversicht schenkt. Es ist Gottes eigene Macht, die uns den Frieden schenkt, den wir so dringend brauchen.

So können wir beten:
„O komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!“
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20. Dezember – O CLAVIS DAVID – O SCHLÜSSEL DAVIDS
 
O clavis David
O Schlüssel Davids, Zepter des
Hauses Israel – du öffnest und,
niemand kann schließen, du
schließt, und keine Macht vermag
zu öffnen:
O komm und öffne den Kerker der
Finsternis und die Fessel des
Todes!

Liebe Schwestern und Brüder,

was für eine seltsam anmutende Formulierung begegnet uns in der heutigen O-Antiphon: O clavis David - O Schlüssel Davids. Was denken Sie, wenn Sie von einem „Schlüssel Davids“ lesen? Dieser Ausdruck kommt nur einmal im Neuen Testament und nur einmal im Alten Testament vor: „An den Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: So spricht der Heilige, der Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat, der öffnet und niemand wird schließen, der schließt und niemand wird öffnen.“ (Offb 3,7) und „Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David auf die Schulter legen.“ (Jes 22,22).

Der Textzusammenhang beschreibt, wie Gott dem disqualifizierten und korrupten Verwalter Schebna eine ehrenlose Entlassung ankündigte und dafür Eljakim, den Sohn Hilkijas, einsetzen würde. Der Schlüssel Davids dient als Illustration für Autorität und grosse Verantwortung vor Gott und den Menschen.
Warum wird König David dafür als Vorbild genommen? Er steht für die große Zeit des Königtums in Israel. 1000 v. Chr. mussten die israelitischen Stämme sich nach dem biblischen Bericht wegen des stärker werdenden militärischen Druckes durch die Philister zu einem Königreich zusammenschließen. Salomo und David begründeten ein unabhängiges Großreich mit Jerusalem als Hauptstadt.

Dieser König vermag den Menschen Sicherheit, Frieden und Unabhängigkeit nach den Berichten der Bibel zu schenken. Seine Macht ist so groß, dass die mit seinem Schlüssel vollbrachten Taten nicht mehr rückgängig zu machen sind.

Wir kennen alle das Gefühl, wenn wir vor einer verschlossenen Tür stehen und nicht hineinkönnen. Der Weg ist aussichtslos versperrt. Nichts geht mehr. Wir brauchen den entscheidenden Schlüssel, der uns den Weg öffnen kann. Genauso kann die einmal geöffnete Tür ohne einen Schlüsse nicht mehr verschlossen werden. Der Weg bleibt offen.

Diesen Schlüssel Davids, des großen israelitischen Königs, hat auch Jesus Christus. Er ist ein ebenso starker König wie David. Sein Königtum zeigte sich am Kreuz, als er starb. Nicht mit Gewalt widersetzte er sich seiner Verurteilung zum Tod. Ganz im Glauben an seinen himmlischen Vater durchschritt er die Tür zum Tod. Am Ostermorgen öffnete sich die Tür des Todes wieder. Jesus ist von den Toten auferstanden. Der Tod hat keine Macht mehr. Das macht das Königtum Jesu Christi aus. Was keiner vermag, kann Gott. Seine Liebe zu den Menschen geht so weit, dass der Tod nicht mehr das letzte Wort über uns hat. Deshalb ging sein Sohn in den Tod und erstand zu neuem Leben.

Voller Vertrauen können wir beten:
„O komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!“

Literaturtipp: Stuttgarter Altes Testament
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19. Dezember - O RADIX JESSE – O SPROSS AUS ISAIS WURZEL

O radix Jesse
O Spross aus Isais Wurzel,
gesetzt zum Zeichen für die
Völker – vor dir verstummen die
Herrscher der Erde, dich flehen
an die Völker:
O komm und errette uns, erheb
dich, säume nicht länger!
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
Jesus Christus ist nur aus dem inneren Zusammenhang der Heiligen Schrift, der Bibel, zu verstehen. Er ist keine, aus aller Geschichte losgelöste Figur, die ganz für sich alleine dasteht. Vielmehr befindet er in einer langen Traditionslinie, die bis zum auserwählten Volk, den Israeliten, zurückreicht. Dieses Volk wartete sehnlich auf seinen Erlöser, auf den Messias, Christus, den Gesalbten. Er sollte das Volk aus seiner äußeren Bedrängnis und inneren Zerstrittenheit befreien.
 
Wenn unsere heutige O-Antiphon Jesus als Spross aus den Wurzeln Jesajas bezeichnet, ist diese innere Verbindungslinie gemeint. Jesaja sagte die Geburt eines Erlösers voraus: „Darum wird euch der HERR selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel. (Jesaja 7,14)“ Der Name Immanuel ist nicht rein zufällig gewählt. Bei ihm handelt es sich um den Namen des Messias und bedeutet „Gott mit uns".
 
Jesaja möchte uns sagen, dass Gott sein auserwähltes Volk und uns alle nicht im Stich lassen wird. Wir bleiben nicht alleine in unseren schuldhaften Verstrickungen dieser Welt. Wir kennen dieses Gefühl der Schuld, der Endlichkeit, wenn nichts mehr weiterzugehen scheint, weil alle Wege des Lebens nur noch verbaut sind. Gott sieht die Not der Menschen. Deswegen kündigt Jesaja diese hoffnungsvolle Botschaft vom Kommen des Immanuel seinem Volk und uns allen an.
 
Wir brauchen diesen Beistand Gottes so dringend. Die dunkle Zeit der Pandemie lässt uns alle spüren, wie erschöpft wir sind, weil unsere Kräfte langsam zu Ende gehen. Viele Menschen wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll und sorgen sich um ihre Zukunft. Geschäfte und Betriebe stehen vor dem aus. Mieten können nicht mehr gezahlt werden. In den Altenheimen wissen die Pflegekräfte oft nicht mehr, wie es weitergehen soll, weil so viele Menschen sich infiziert haben. Dazu kommt der soziale Beziehungsabbruch in unsrem Land. Viele Menschen fühlen sich einsam und leiden unter dem Verlust an Begegnungen. Nicht wenige wünschen sich so sehr, einfach wieder einmal in den Arm genommen zu werden. Wie dringend brauchen wir diesen Immanuel, der mit uns ist, gerade in der heutigen Zeit.
 
Wir alle können aus vollem Herzen in die flehentliche Bitte am Ende der O-Antiphon mit einstimmen: „O komm und errette uns, erheb dich, säume nicht länger!“

Literaturtipp: Klaus Berger, Jesus.
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18. Dezember - O ADONAI – O HERR
 
O Adonai,
O Herr und Führer des Hauses
Israel – im flammenden
Dornbusch bist du dem Mose
erschienen und hast ihm auf
dem Berg das Gesetz gegeben:
O komm und befreie uns mit
deinem starken Arm.
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
heute begegnet uns der Herr, Adonai, wie er auf Hebräisch heißt. Als ein starker Herr und großer Führer für das Haus Israel wird er dem Beter vor Augen gestellt. Der heutige Leser und Beter sollte sich aber zunächst darüber im Klaren sein, dass Israel ein kleiner und eher unbedeutender Landstrich zwischen den beiden Großreichen der Ägypter und den Herrschern in Mesopotamien, dem heutigen Irak, gewesen ist. Die große Macht des Herrn entsprang der Treue, die er den Israeliten immer wieder im Verlauf der Geschichte ihres Volkes gezeigt hat.
 
Ein wichtiges Ereignis war die Erscheinung des Herrn im flammenden Dornenbusch, als er sich dem Mose zeigte. Mose zeichnete aus, dass er mit dem Herrn „von Angesicht zu Angesicht“ verkehrt hatte. Wie ein Freund mit einem Freund redete, so hatte er mit Gott gesprochen (Ex 33,11). So konnte Papst Benedikt XVI. über Mose feststellen: „Das Entscheidende an der Gestalt des Mose sind nicht all die Wundertaten, die von ihm berichtet werden, nicht all die Werke und Erleidnisse auf dem Weg vom ‚Sklavenhaus Ägypten‘ durch die Wüste bis an die Stelle des gelobten Landes. Das Entscheidende ist, dass er mit Gott geredet hat wie ein Freund: Nur von dorther konnten seine Werke kommen; nur von dort konnte das Gesetz kommen, das Israel den Weg durch die Geschichte weisen durfte“, vgl. Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Band 1, S. 28 f.
 
Dieser Herr ist der Weg zum eigentlichen Exodus, zur wahren Erlösung. Er bestand nicht nur im Einzug des Volkes Israel in das gelobte Land. Israel harrte noch immer seiner eigentlichen Befreiung. Es war ein viel radikalerer Exodus notwendig.
 
Mose zeigte uns das Gesicht Gottes. Es zeigte uns allen auch den Weg, den wir zu gehen haben. Der Exodus besteht darin, in allen Wegen der Geschichte den Weg zu Gott als die eigentliche Richtung zu suchen und zu finden.
 
Dieser Gott möge kommen und uns befreien. Wie nötig haben wir in diesen Tagen diesen Wunsch. Die Angst vor einer möglichen Erkrankung mit Covid 19 frisst vielen Menschen die Seele auf. Wir fühlen uns hilflos und schwach gegenüber diesem Virus, welches wir mit bloßem Auge nicht sehen können. Wir spüren, wie wichtig der starke Arm Gottes für jeden von uns ist, damit wir von ihm gehalten werden, wenn wir uns schwach fühlen und neue Kraft bekommen, wenn uns der Mut verlässt.
 
Literaturtipp: Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Band 1.
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17. Dezember - O SAPIENTIA - O WEISHEIT
 
O Weisheit,
hervorgegangen aus dem Munde
des Höchsten – die Welt
umspannst du von einem Ende
zum anderen, in Kraft und Milde
ordnest du alles:
O komm und offenbare uns den
Weg der Weisheit und Einsicht!
 
Liebe Schwestern und Brüder,
 
mit dem heutigen Tag beginnt die enge Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Noch 7 Tage, dann feiern wir das Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Die Kirche gibt uns an jedem Tag eine der O-Antiphonen mit auf den Weg, um verschiedene Aspekte unseres Herrn Jesus Christus näher zu beleuchten. Bis ins 8. Jahrhundert reichen sie zurück. Sie sind Ausdruck des Staunens über die Gnade, die Gott der Welt immer wieder zuteilwerden lässt.
 
Heute schauen wir auf die Weisheit Gottes. Viele haben von uns dieses Wort schon einmal in ihrem Leben gehört. Können wir aber damit wirklich etwas anfangen? Haben wir einmal darüber nachgedacht, was Weisheit bedeuten könnte? Unabhängig von unserer Herkunft, Sprache oder Kultur ist Weisheit zunächst einmal ein Lebensziel. Seit Jahrtausenden steht dieses Wort für eine positive, erstrebenswerte Haltung, die in allen Zeiten und Kulturen für wertvoll gehalten wurde.
 
Leider ist Weisheit in den letzten Jahren stark in die Esoterik- Ecke abgewandert. Sie ist aber mehr als ein Angebot zu mentaler Wellness. Weisheit ist vielmehr Arbeit an sich selbst. Oft ist sie deshalb harte Arbeit. Jeder weiß nur zu gut, dass die eigenen Veränderungen diejenigen sind, die am schwersten zu erreichen sind. Weisheit hat etwas mit dem Leben und mit dem Alltag zu tun, also mit profanen und nicht mit esoterischen Dingen. Das Hier und Jetzt jedes Einzelnen ist der Ort, an dem Weisheit sich zeigen kann und auch bewähren muss.
 
Unsere heutige O-Antiphon verlagert den Quell aller Weisheit in Gott. Genauer gesagt ist das Wort gemeint, welches aus seinem Mund zu uns Menschen gekommen ist. Wer denkt in diesem Zusammenhang nicht an den berühmten Beginn des Johannesevangeliums: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott.“ (Joh 1,1) Gott ist es, der nach den Vorstellungen der Gläubigen alles geschaffen hat, was uns umgibt. Alle ist wohlgeordnet, alles wirkt perfekt aufeinander abgestimmt, damit es ein funktionierendes Ganzes ergibt. Die Menschen sahen hinter dem Wirken Gottes in der Natur seine Weisheit, sein überragendes und alles übersteigendes Wissen, unsere Welt so zu ordnen, damit wir als seine Geschöpfe leben können.
 
Diese Haltung ist uns heute fremd geworden. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaft erschütterten dieses Weltbild. Für alles, was passierte, konnten natürliche Erklärungen gefunden werden, welche Gott als Ursache nicht benötigten.
 
Wir merken jedoch gerade in diesen Tagen der Coronapandemie, dass Wissen uns zwar helfen kann, einen Impfstoff zu entwickeln, der hoffentlich bald zu einer Entspannung der Situation führen wird. Jedoch bleibt bei uns die Angst vor dem Tod, das Gefühl unerlöst zu sein und der Macht dieses Virus ungeschützt ausgesetzt zu sein. Die Weisheit Gottes vermittelt uns die Geborgenheit, dass wir trotz der Gefahr des Todes in Gott uns geborgen wissen dürfen. So groß unser Wissen auch sein mag, als Schöpfer des Himmels und der Erde umspannt die Weisheit Gottes die ganze Erde. Lassen wir uns von dieser Weisheit auch gerade in den dunklen Stunden dieser adventlichen Tage erleuchten und führen. Haben wir keine Angst. Die Weisheit Gottes schützt uns und führt uns auf unseren Lebenswegen. Deshalb endet diese O-Antiphon auch mit dem flehentlichen Gebet um die Offenbarung der Weisheit Gottes.
 
Literaturtipp: Gert Scobel, Weisheit, Über das, was uns fehlt, Köln, 2011
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